Mehr als eine Namensliste

Nehemia 7, 4 – 72

4 Die Stadt aber war weit und groß, aber wenig Volk darinnen und Häuser waren noch nicht wieder gebaut. 5 Und mein Gott gab mir ins Herz, dass ich die Vornehmen und die Ratsherren und das Volk versammelte, um sie aufzuzeichnen nach Geschlechtern.

Jetzt ist Jerusalem wieder eine „richtige“ Stadt. Die Notiz, dass die Häuser noch nicht gebaut waren, beißt sich ein wenig mit Haggai, der ja Jahrzehnte zuvor beklagt, im Auftrag Gottes: „So spricht der HERR Zebaoth: Dies Volk spricht: Die Zeit ist noch nicht da, dass man des HERRN Haus baue. Und des HERRN Wort geschah durch den Propheten Haggai: Aber eure Zeit ist da, dass ihr in getäfelten Häusern wohnt, und dies Haus muss wüst stehen!“ (Haggai 1, 2-4)

 Nehemia jedenfalls sieht: Dieser großen Stadt fehlt es an Menschen. Es ist eine Last, die ihm Gott ins Herz gibt. Seine Antwort: Volkszählung, Registrierung derer, die schon da sind. Ob sie dadurch mehr werden, steht dahin. Das beschäftigt Nehemia nicht. Auch nicht, dass Volkszählungen in Israel keinen guten Ruf haben und nicht unbedingt das Wohlwollen Gottes erregen. „Und der Satan stellte sich gegen Israel und reizte David, dass er Israel zählen ließe. Und David sprach zu Joab und zu den Obersten des Volks: Geht hin, zählt Israel von Beerscheba bis Dan und bringt mir Kunde, damit ich weiß, wie viel ihrer sind…Dies alles aber missfiel Gott sehr und er schlug Israel.“ (1.Chronik 21, 1-2.7) Vielleicht aber wird auch deshalb im Folgenden nichts von der Durchführung dieser Zählung berichtet!

Und ich fand das Geschlechtsregister derer, die zuerst heimgekehrt waren, und fand darin geschrieben:

Denn statt eines Berichtes über die erfolgreiche Registrierung folgt eine Fundsache. In den Büchern Esra und Nehemia wird öfters gefunden, in alten Aktenschränken ABGELEGT. So findet jetzt Nehemia ein Verzeichnis der Geschlechter, die zuerst heimgekehrt waren, angeführt von Serubbabel und Jeschua, also die ersten Heimkehr nach dem Entscheid des Kyrus. Eine alte Liste als Ersatz für eine aktuelle Bestandsaufnahme. Planungs-technisch ist das ein Desaster. Theologische gesehen ist es aber vielleicht einfach nur eine Korrektur zu großer Erwartungen an ständig aktualisierte Daten.

 6 Dies sind die Leute der Landschaft Juda, die aus der Gefangenschaft heraufgezogen sind, die Nebukadnezar, der König von Babel, weggeführt hatte und die wieder nach Jerusalem und nach Juda zurückkehrten, ein jeder in seine Stadt, 7 und die gekommen sind mit Serubbabel, Jeschua, Nehemja, Asarja, Raamja, Nahamani, Mordochai, Bilschan, Misperet, Bigwai, Rehum und Baana. Dies ist die Zahl der Männer vom Volk Israel: 8 die Söhne Parosch 2172; 9 die Söhne Schefatja 372; 10 die Söhne Arach 652; 11 die Söhne Pahat-Moab, nämlich die Söhne Jeschua und die Söhne Joab, 2818; 12 die Söhne Elam 1254; 13 die Söhne Sattu 845; 14 die Söhne Sakkai 760; 15 die Söhne Binnui 648; 16 die Söhne Bebai 628; 17 die Söhne Asgad 2322; 18 die Söhne Adonikam 667; 19 die Söhne Bigwai 2067; 20 die Söhne Adin 655; 21 die Söhne Ater, nämlich die Söhne Hiskija, 98; 22 die Söhne Haschum 328; 23 die Söhne Bezai 324; 24 die Söhne Harif 112; 25 die Männer von Gibeon 95; 26 die Männer von Bethlehem und Netofa 188; 27 die Männer von Anatot 128; 28 die Männer von Bet-Asmawet 42; 29 die Männer von Kirjat-Jearim, Kefira und Beerot 743; 30 die Männer von Rama und Geba 621; 31 die Männer von Michmas 122; 32 die Männer von Bethel und Ai 123; 33 die Söhne des andern Nebo 52; 34 die Söhne des andern Elam 1254; 35 die Söhne Harim 320; 36 die Männer von Jericho 345; 37 die Männer von Lod, Hadid und Ono 721; 38 die Söhne Senaa 3930. 39 Die Priester: die Söhne Jedaja, nämlich das Haus Jeschua, 973; 40 die Söhne Immer 1052; 41 die Söhne Paschhur 1247; 42 die Söhne Harim 1017. 43 Die Leviten: die Söhne Jeschua, nämlich Kadmiël, Binnui und Hodawja, 74. 44 Die Sänger: die Söhne Asaf 148. 45 Die Torhüter: die Söhne Schallum, die Söhne Ater, die Söhne Talmon, die Söhne Akkub, die Söhne Hatita, die Söhne Schobai, insgesamt 138. 46 Die Tempelsklaven: die Söhne Ziha, die Söhne Hasufa, die Söhne Tabbaot, 47 die Söhne Keros, die Söhne Sia, die Söhne Padon, 48 die Söhne Lebana, die Söhne Hagaba, die Söhne Salmai, 49 die Söhne Hanan, die Söhne Giddel, die Söhne Gahar, 50 die Söhne Reaja, die Söhne Rezin, die Söhne Nekoda, 51 die Söhne Gasam, die Söhne Usa, die Söhne Paseach, 52 die Söhne Besai, die Söhne der Mëuniter, die Söhne der Nefusiter, 53 die Söhne Bakbuk, die Söhne Hakufa, die Söhne Harhur, 54 die Söhne Bazlut, die Söhne Mehida, die Söhne Harscha, 55 die Söhne Barkos, die Söhne Sisera, die Söhne Temach, 56 die Söhne Neziach, die Söhne Hatifa. 57 Die Nachkommen der Sklaven Salomos: die Söhne Sotai, die Söhne Soferet, die Söhne Peruda, 58 die Söhne Jaala, die Söhne Darkon, die Söhne Giddel, 59 die Söhne Schefatja, die Söhne Hattil, die Söhne Pocheret-Zebajim, die Söhne Amon. 60 Alle Tempelsklaven und Nachkommen der Sklaven Salomos waren 392.

 61 Und dies sind die Leute, die auch mit heraufzogen von Tel-Melach, Tel-Harscha, Kerub-Addon und Immer, aber nicht angeben konnten, ob ihre Sippe und deren Nachkommen aus Israel stammten: 62 die Söhne Delaja, die Söhne Tobija und die Söhne Nekoda 642. 63 Und von den Priestern: die Söhne Habaja, die Söhne Hakkoz, die Söhne Barsillai, deren Urahn eine von den Töchtern des Gileaditers Barsillai zur Frau genommen hatte und nach dessen Namen genannt wurde. 64 Diese suchten ihr Geschlechtsregister und als sie es nicht fanden, wurden sie für das Priestertum als untauglich erklärt. 65 Und der Statthalter gebot ihnen, sie sollten nicht essen vom Hochheiligen, bis ein Priester für die heiligen Lose »Licht und Recht« aufstände.

 66 Die ganze Gemeinde zählte insgesamt 42360, 67 ausgenommen ihre Sklaven und Sklavinnen; die waren 7337, dazu 245 Sänger und Sängerinnen. 68 Und sie hatten 736 Rosse, 245 Maultiere,1435 Kamele, 6720 Esel.

69 Und einige Häupter der Sippen gaben für das Werk. Der Statthalter gab zum Schatz 1000 Gulden, 50 Becken, 530 Priesterkleider. 70 Und einige Häupter der Sippen gaben zum Schatz für das Werk 20000 Gulden, 2200 Pfund Silber. 71 Und das übrige Volk gab 20000 Gulden und 2000 Pfund Silber und 67 Priesterkleider. 72 Und die Priester und die Leviten, die Torhüter, die Sänger und einige andere Leute und die Tempelsklaven und ganz Israel ließen sich in ihren Städten nieder.

 Heute macht man so etwas mit den Befehlen „Kopieren“ und „Einfügen“ im PC. Der Schreiber des Nehemia-Buches muss die Liste mühsam abschreiben. Sie findet sich schon in Esra 2,1 – 3,1 in fast wörtlicher Übereinstimmung. Die Abweichungen sind minimal und ohne Bedeutung. Warum aber wird diese Liste hier im Nehemia-Buch kopiert? „Dass die Liste mehrfach ( und auch hier) wiederholt wird, zeigt das Gewicht, das ihr beigemessen wird… Es ist klar definiert, wie sich das wahre Israel zusammensetzt. Die Zugehörigkeit erschließt sich über diese Namen, bei denen die je eigene Familiengeschichte sich einklinken muss.“(T. Hiecke, Neuer Stuttgarter Kommentar Altes Testament, Die Bücher Esra und Nehemia, Stuttgart 2005)

 Esra und Nehemia haben eine besondere Vorliebe für solche Listen. Aber sie finden sich ja auch andernorts in der Bibel reichlich. 1. Mose 1, 1 – 32; 4. Mose 1, 1 – 44; Matthäus 1, 1 – 17; Lukas 3, 23 – 38 sind nur eine winzige Auswahl.Ich denke, dass immer zwei Motive mitspielen: Diese Listen geben Zeugnis von der Treue Gottes, die sich von Geschlecht zu Geschlecht durch die Zeiten bewährt. Und sie weisen darauf hin, dass sich Geschichte immer mit Namen verbinden, Menschen, Schicksalen. Das Volk der Juden hat immer an die Treue Gottes geglaubt, die sich auch in der generativen Kraft seines Volkes zeigt.

 Im Nehemia-Buch folgen noch einige solcher Listen.

Heiliger Gott                                                                                                                           Du hast mich bei meinem Namen gerufen                                                                              Das gilt                                                                                                                                  auch wenn ihn kaum jemand kennt                                                                                       der nicht zu meinem unmittelbaren Umfeld gehört

Du hast nicht nur mich bei meinem Namen gerufen                                                             Du rufst jeden Einzelnen und jede Einzelne beim Namen                                                  Du willst uns einmal wieder rufen zur Auferstehung aus den Toten                                Dafür danke ich Dir. Amen