Bauleitung und Baugenehmigung

Esra 5, 1 – 17

1 Es weissagten aber die Propheten Haggai und Sacharja, der Sohn Iddos, den Juden, die in Juda und Jerusalem wohnten, im Namen des Gottes Israels, der über ihnen war.

 Was folgt, sind geschichtlich wertvolle Notizen. Sie helfen, die Zeit genauer zu bestimmen, um die es geht. Haggai und Sacharja werden als Propheten genannt. „Im zweiten Jahr des Königs Darius, im sechsten Monat, am ersten Tage des Monats, geschah des HERRN Wort durch den Propheten Haggai zu Serubbabel, dem Sohn Schealtiëls, dem Statthalter von Juda, und zu Jeschua, dem Sohn Jozadaks, dem Hohenpriester.“ (Haggai 1,1) Das erlaubt die zeitliche Einordnung. Es geht um das Jahr 520 v. Chr.

 2 Da machten sich auf Serubbabel, der Sohn Schealtiëls, und Jeschua, der Sohn Jozadaks, und fingen an, das Haus Gottes zu Jerusalem aufzubauen, und mit ihnen die Propheten Gottes, die sie stärkten.

 In dieser Zeit beginnt der Neubau des Tempels. Er wird durch die beiden Propheten unterstützt. Bei Haggai ist es besonders deutlich: Er drängt – im Auftrag Gottes! – regelrecht auf diesen Neubau.

3 Zu der Zeit kamen zu ihnen Tattenai, der Statthalter des Gebietes jenseits des Euphrat, und Schetar-Bosnai und ihre Genossen und sprachen: Wer hat euch befohlen, dies Haus aufzubauen und diese Mauern zu errichten? 4 Dann sagten sie zu ihnen: Wie heißen die Männer, die diesen Bau aufführen? 5 Aber das Auge ihres Gottes war über den Ältesten der Juden, sodass ihnen nicht gewehrt wurde, bis man den Bericht an Darius gelangen ließe und darüber ein Brief käme.

Das ganze Geschehen bleibt nicht unbemerkt. „Die Wiederaufnahme der Arbeiten am Tempelbau erregt – wohl auch auf Grund der entsprechenden logistischen Bewegungen – den Argwohn der persischen Behörden.“(T. Hiecke, Neuer Stuttgarter Kommentar Altes Testament, Die Bücher Esra und Nehemia, Stuttgart 2005, S.107) Tattenai, der Statthalter des Gebietes jenseits des Euphrat fordert Aufklärung: Wer gibt euch das Recht zu diesen Baumaßnahmen? Wo ist die Bau-Genehmigung?

Es wirkt nach, was vorher schon im Esra-Buch erzählt worden ist: Jerusalem hat einen Ruf als Widerstandsnest gegen die Macht-Interessen der Könige. Der Tempel, das wissen alle Perser, ist das innere Rückgrat des jüdischen Volkes, allen jüdischen Selbstbewusstsein. Er ist der Ort der inneren Zuflucht und damit die Kraftquelle Israels. Genau aus diesem Grund ist der Wiederaufbau das Tempels auch ein politisches Ereignis und nicht nur die Wiederherstellung eines beleibten Kult-Ortes. Aus diesem Wessen heraus fordert der persische Statthalter Informationen über die reichlichen Grundlagen des Baues. Es ist von ihm her gesehen nicht kleinliche Schikane, sondern verantwortungsvolles Handeln als persischer Statthalter. .

 Das kann dauern. Aber es ist, das wird sorgfältig notiert, nicht so, dass die Arbeiten am Bau zum Erliegen kommen. Das Auge ihres Gottes wacht über denen, die da bauen. Das ist die „späte“ Erfüllung alter Bitten bei der Weihe des salomonischen Tempels: „Lass deine Augen offen stehen über diesem Hause Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein. Du wollest hören das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte betet,“(1. Könige 8,29) Es ist das zugewandte Angesicht Gottes, das den Bau weitergehen lässt – eine ziemlich „versteckte“ Formulierung für den Segen.

 6 Dies ist die Abschrift des Briefes Tattenais, des Statthalters jenseits des Euphrat, und Schetar-Bosnais und ihrer Genossen, der Beamten, die jenseits des Euphrat waren, an den König Darius. 7 Die Botschaft, die sie ihm sandten, lautete: Dem König Darius allen Frieden! 8 Es sei dem König kundgetan, dass wir ins jüdische Land gekommen sind zu dem Hause des großen Gottes; dies baute man mit behauenen Steinen und legte Balken in die Wände, und die Arbeit ging unter ihrer Hand frisch vonstatten. 9 Wir aber haben die Ältesten gefragt und zu ihnen gesagt: Wer hat euch befohlen, dies Haus zu bauen und diese Mauern zu errichten? 10 Auch fragten wir, wie sie hießen, damit wir es dir kundtäten und die Namen der Männer aufschrieben, die an ihrer Spitze stehen.11 Sie aber gaben uns dies zur Antwort: Wir sind Knechte des Gottes des Himmels und der Erde und bauen das Haus wieder auf, das einst vor vielen Jahren hier gestanden und das ein großer König Israels gebaut und vollendet hat. 12 Aber als unsere Väter den Gott des Himmels erzürnten, gab er sie in die Hand Nebukadnezars, des Königs von Babel, des Chaldäers; der zerstörte dies Haus und führte das Volk weg nach Babel.

 Es folgen hier und weiter unten Passagen, die dem ganzen Esra-Buch sein Gepräge geben. Abschriften von Briefen, halb-offizielle und offizielle Dokumente. Hier also eine Abschrift des Briefes Tattenais. Es ist wohl müßig, danach zu fragen, wie man sich das vorstellen soll, dass Esra an diese Abschrift gelangt. Wenn er, als Jude, ein hochgestellter persischer Beamter war, hat er womöglich Zugang zu den entsprechenden Archiven.

 Der Brief fasst knapp zusammen: Beobachtungen Tattenais über den Bau am Hause des großen Gottes. Diese Gottesbezeichnung ist auffällig. So häufig begegnet sie nicht. Aber sie ist wohl stimmig aus der Sicht eines Andersgläubigen. Der Bau, so sieht der Statthalter, geht zügig voran. Die Leute, die da bauen, sind offensichtlich hoch motiviert.

 Tattenai beschreibt dann, wie er Auskunft fordert: Wer sind die Verantwortlichen? Und wie steht es um die Bauerlaubnis? Auf Beides bekommt er nicht wirklich klare Auskunft. Wir sind Knechte des Gottes des Himmels und der Erde ist ja nicht die Nennung von Namen der Verantwortlichen, sondern eine Aussage über das eigene Selbstverständnis. Und dann folgt, was doch sehr wichtig ist, eine ganz knappe Deutung des Untergangs. Der Gott des Himmels gab die Väter um ihrer Schuld willen in die Hände Nebukdnezars. Geschichte wird aus der Sicht des Glaubens gedeutet. Sie folgt dem Willen Gottes – auch die Sieger sind nur seine Werkzeuge.

 13 Aber im ersten Jahr des Kyrus, des Königs von Babel, befahl der König Kyrus, dies Haus Gottes wieder zu bauen. 14 Auch die goldenen und silbernen Geräte im Hause Gottes, die Nebukadnezar aus dem Tempel zu Jerusalem genommen und in den Tempel zu Babel gebracht hatte, nahm der König Kyrus aus dem Tempel zu Babel und gab sie Scheschbazar, den er zum Statthalter einsetzte, 15 und sprach zu ihm: Nimm diese Geräte, zieh hin und bringe sie in den Tempel zu Jerusalem, und das Haus Gottes soll gebaut werden an seiner früheren Stätte. 16 Da kam jener Scheschbazar und legte den Grund zum Hause Gottes zu Jerusalem. Seit der Zeit baut man und es ist noch nicht vollendet. 17 Gefällt es nun dem König, so lasse er in Babel im Schatzhaus des Königs suchen, ob es von dem König Kyrus befohlen sei, das Haus Gottes zu Jerusalem wieder aufzubauen, und man sende uns des Königs Meinung darüber.

 Jetzt erst erhält Tattenai Auskunft von den Verantwortlichen über ihre Legitimation. Sie berufen sich auf einen Befehl des Kyrus. Er hat angeordnet, dieses Haus Gottes wieder zu bauen. Er hat seinem Statthalter mitgegeben, was zur Ausstattung des Tempels nötig ist. So ist es ja schon in Esra 1,7-11 erzählt. Und dieser Statthalter des Kyrus, Scheschbazar, hat die Grundsteinlegung für den Neubau vollzogen.

Soweit geht der Bericht des Tattenai. Und dann folgt seine Bitte: Darius möge, wenn es ihm entspricht, in den königlichen Archiven nachsuchen lassen, ob sich dieses Edikt des Kyrus auftreiben lässt – oder, so die unausgesprochene Vermutung: ob es nur ein Phantasie-Gebilde, ein Vorwand der immer aufsässigen Bewohner Jerusalems ist, um ihrem Bau den Anschein der Legitimität zu geben.

Mein Gott                                                                                                                             wie langweilig können Akten sein                                                                                         wie leicht liegt der Staub von tausend Jahren auf ihnen                                                         Ich habe es nicht so mit den Akten und Aktennotizen

Aber es hilft Deiner Gemeinde                                                                                            dass es Menschen gibt                                                                                                        die sorgfältig mit Akten umgehen                                                                                         sie aufheben                                                                                                                             sie wieder finden

Es gibt Sicherheit und bewahrt manchmal vor Willkür                                                             Dank sei Dir für alle ordentlichen Akten. Amen