Das Ende rückt näher

2. Könige 23, 26 – 37

26 Doch kehrte sich der HERR nicht ab von dem Grimm seines großen Zorns, mit dem er über Juda erzürnt war um all der Ärgernisse willen, durch die ihn Manasse erzürnt hatte.

 Alle Umkehr unter Josia kann den Zorn des HERRN nicht besänftigen. Zu schwer wirken die Sünden der Vergangenheit. Zu viel sind die Ärgernisse, die sich angesammelt haben, zuletzt unter Manasse. Es sind nicht nur religiöse Missstände, es sind auch die sozialen Verwerfungen. Beides, was wir gerne trennen, hängt nach dem Urteil der Schrift ineinander.

 27 Und der HERR sprach: Ich will auch Juda von meinem Angesicht tun, wie ich Israel weggetan habe, und will diese Stadt verwerfen, die ich erwählt hatte, Jerusalem, und das Haus, von dem ich gesagt hatte: Mein Name soll dort sein. 28 Was aber mehr von Josia zu sagen ist und alles, was er getan hat, siehe, das steht geschrieben in der Chronik der Könige von Juda.

 Es ist wie ein Blick in das Selbstgespräch Gottes, das diese Worte zeigen. Und so, wie sie da stehen, signalisieren sie auch: es fällt Gott nicht leicht. Es ist keine Augenblicks-Laune, kein Beschluss aus Unlust. Weiß der HERR doch: Mit diesen Worten gerate ich in eine tiefe Spannung zu meinen Verheißungen, zu meinen alte Worten. Die Erwählung des Volkes, der Stadt, des Tempels als Orte der Gegenwart Gottes stehen auf dem Spiel. Aber Juda wird das Geschick Israels teilen müssen und Jerusalem das Geschick Samarias.

 Dieses Wort Jahwes ist das Ende Judas. „Entscheidend über Leben und Tod des Gottesvolkes ist Gottes in die Geschichte gesprochenes Wort.“ (G. Von Rad, Theologie des AT; Bd. 1, S. 356) Es ist sein Wort, das Geschichte macht, es sind nicht die Entscheidungen der Völker. Sie dienen dem Wort, folgen aus ihm.

Aber die das aufgeschrieben haben, glauben ja, das es nicht das endgültige Ende ist. „Erst die Verweigerung der Umkehr wäre das unwiderrufliche Ende.“ (G. Von Rad, Theologie des AT; Bd. 1, S. 358)Aber es wird keinen neuen Weg für Juda, für Israel, für Jerusalem ohne die Beugung unter dieses Urteil geben. Nur durch die Katastrophe hindurch wird es zu einem Neuanfang kommen und nur, wenn Juda es sieht: Gott ist gerecht in seinem Urteil über uns.

29 Zu seiner Zeit zog der Pharao Necho, der König von Ägypten, herauf gegen den König von Assyrien an den Strom Euphrat. Und der König Josia zog ihm entgegen, aber Necho tötete ihn in Megiddo, als er ihn sah. 30 Und seine Männer brachten den Toten von Megiddo und führten ihn nach Jerusalem und begruben ihn in seinem Grabe.

 Das ist, in dürren Worten, das Ende des Josia. Der König nach dem Herzen Gottes fällt im Kampf, gegen die Ägypter, in der Jesreel-Ebene, in Meggido. Im Jahr 609. Josia wird ehrenvoll in Jerusalem beerdigt.

 Und das Volk des Landes nahm Joahas, den Sohn Josias, und sie salbten ihn und machten ihn zum König an seines Vaters statt. 31 Dreiundzwanzig Jahre war Joahas alt, als er König wurde; und er regierte drei Monate zu Jerusalem. Seine Mutter hieß Hamutal, eine Tochter Jirmejas aus Libna. 32 Und er tat, was dem HERRN missfiel, wie seine Väter getan hatten.

 Sein Sohn Joahas soll nach dem Willen des Volkes sein Nachfolger werden. Ist die Hoffnung mit ihm verbunden, immerhin bedeutet sein Name „Jahwe ergreift“, dass er in der Art seines Vaters Josia regieren wird? Er tritt seine Regentschaft an, aber sie ist nicht gesegnet und nicht von langer Dauer. Drei Monate regiert er in Jerusalem.

 33 Aber der Pharao Necho legte ihn ins Gefängnis in Ribla im Lande Hamat, damit er nicht mehr in Jerusalem regieren sollte, und legte eine Geldbuße aufs Land von hundert Zentnern Silber und einem Zentner Gold.

 Es zeigt sich, dass durch die Schlacht von Meggido Juda unter den Einfluss Ägyptens geraten ist. So weit reicht der Arm des Pharao Necho, dass er in Jerusalem Könige absetzen und einsetzen kann. Joahas kommt ins Gefängnis und Juda muss eine schwere Tributzahlung an Ägypten leisten.

 34 Und der Pharao Necho machte Eljakim, den Sohn Josias, zum König anstatt seines Vaters Josia und wandelte seinen Namen um in Jojakim. Aber Joahas nahm er und brachte ihn nach Ägypten; dort starb er. 35 Und Jojakim gab das Silber und Gold dem Pharao. Doch legte er eine Steuer auf das Land, um das Geld aufzubringen, auf Befehl des Pharao. Von jedem unter dem Volk des Landes trieb er Silber und Gold ein, je nach seinem Vermögen, um es dem Pharao Necho zu geben.

 Necho macht Eljakim, den älteren Halb-Bruder des Joahas, zum König in Juda und, auch das Zeichen der Macht des Pharao, er gibt ihm einen neuen Namen: Jojakim. Dessen Bruder Joahas stirbt im angeordneten Exil in Ägypten.

 Was der Text anschließend von Jojakim berichtet, ist ernüchternd: Er treibt Steuern ein, um die Zahlungen an Ägypten zu sichern. Fast könnte man zur Sprache von heute greifen: Er legt ein umfassendes Steuerprogramm auf, um das eine Schuldnerland, Ägypten, zu befriedigen. Alle im Land, das Volk des Landes, müssen zahlen, „bluten“, weil es die übermächtige Groß-Macht so will.

 36 Fünfundzwanzig Jahre alt war Jojakim, als er König wurde; und er regierte elf Jahre zu Jerusalem. Seine Mutter hieß Sebuda, eine Tochter Pedajas aus Ruma. 37 Und er tat, was dem HERRN missfiel, wie seine Väter getan hatten.

 Auch von Jojakim wird, in Chronisten-Pflicht, nur ein Ertrag festgehalten: Elf Jahre König, die Mutter Sebuda und dann: Er tat, was dem HERRN missfiel, wie seine Väter getan hatten. An Jojakim zeigt sich: Josia war nur ein Zwischenspiel, einer, der aus dem Schema der Könige heraus gefallen ist.

Es fällt mir Luthers Wort ein: „Ein frommer Fürst ist wie ein weißer Rabe.“ So etwas gibt es nur selten, sehr selten. Josia ist so eine Rarität. Jojakim dagegen ist, wie sie alle sind. In der Spur der Väter, der Könige Israels und Judas.

Du Herr des Himmels und der Erde                                                                              Du hast uns Deine Welt anvertraut                                                                              Deinen Willen  gezeigt                                                                                                  Zeit und Raum gegeben                                                                                             darin zu handeln in Deiner Spur

Wir aber folgen so oft  anderen Spuren                                                                         Wir setzen auf Macht                                                                                               Einfluss                                                                                                                             Reichtum                                                                                                                      Ansehen                                                                                                                                Wir folgen unserem Eigensinn

Und Du lässt es zu und wir müssen leben                                                                   mit den Folgen dessen                                                                                               was wir getan haben

Herr                                                                                                                                        hilf uns zur Umkehr                                                                                                     dass wir neu Deinen Willen suchen                                                                          Deinem Erbarmen mehr trauen  als unserer Stärke                                                         Deiner Gnade Raum geben                                                                                heimfinden zu Dir. Amen