Solange das letzte Wort noch nicht gesprochen ist

2. Könige 22, 14 – 23,3

14 Da gingen hin der Priester Hilkija, Ahikam, Achbor, Schafan und Asaja zu der Prophetin Hulda, der Frau Schallums, des Sohnes Tikwas, des Sohnes des Harhas, des Hüters der Kleider, und sie wohnte in Jerusalem im zweiten Bezirk der Stadt; und sie redeten mit ihr.

 Die Vertrauten des Königs gehen zu einer Prophetin namens Hulda. Es gibt nicht nur die männlichen Propheten. Es gibt auch Prophetinnen. Wir erfahren mehr über Hulda als es bei ihren männlichen „Kollegen“ üblich ist: Mit wem sie verheiratet ist und wo sie in Jerusalem wohnt. Sie hat in eine Familie mit Beziehung zum Königshof eingeheiratet.

 15 Sie aber sprach zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Sagt dem Mann, der euch zu mir gesandt hat: 16 So spricht der HERR: Siehe, ich will Unheil über diese Stätte und ihre Einwohner bringen, alle Worte des Buches, das der König von Juda hat lesen lassen, 17 weil sie mich verlassen und andern Göttern geopfert haben, mich zu erzürnen mit allen Werken ihrer Hände; darum wird mein Grimm gegen diese Stätte entbrennen und nicht ausgelöscht werden.

 Sagt dem Mann, der euch zu mir gesandt hat hört sich distanziert an. Und was sie ihm sagen sollen, ist auch nicht geeignet, Nähe zu erzeugen. Unheil über Jerusalem und seine Einwohner soll kommen. Der HERR wird es in Gang setzen. Und der Grund: Die Untreue und der Ungehorsam Jerusalems, Judas, die sich darin zeigen, dass sie nicht auf die Worte des Buches des Gesetzes gehört und sie darum auch nicht befolgt haben. Sie haben den Bund gebrochen, der doch ihre Existenzgrundlage ist.

 „Zwar war es eine spätere Generation, die die Schuld der Väter zu tragen hatte, aber es war ein gerechtes Gericht.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, S. 452) Es gibt kein Aussteigen aus dem Zusammenhang der Geschichte des Volkes. Das Ergehen des Volkes hängt nicht nur an einer Generation. Das Tun der Väter bestimmt immer mit, was wird, auch mit den Kindern. Heute nennen wir das gerne Nachhaltigkeit.

 18 Aber dem König von Juda, der euch gesandt hat, den HERRN zu befragen, sollt ihr sagen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Was die Worte angeht, die du gehört hast: 19 Weil du im Herzen betroffen bist und dich gedemütigt hast vor dem HERRN, als du hörtest, was ich geredet habe gegen diese Stätte und ihre Einwohner, dass sie sollen zum Entsetzen und zum Fluch werden, und weil du deine Kleider zerrissen hast und vor mir geweint hast, so habe ich’s auch erhört, spricht der HERR. 20 Darum will ich dich zu deinen Vätern versammeln, damit du mit Frieden in dein Grab kommst und deine Augen nicht sehen all das Unheil, das ich über diese Stätte bringen will. Und sie sagten es dem König wieder.

Ist das eine Trostbotschaft? Es kommt dies alles erst, wenn Du schon tot bist! Jetzt wird Josia doch noch direkt angeredet: Sie sollen es dem König von Juda, der euch gesandt hat, sagen. Es ist nicht ohne Bedeutung, dass er sich gedemütigt hat vor dem HERRN. Es ist nicht gleichgültig, dass er zutiefst erschrocken ist darüber, was er gehört hat. Die Reue des Josia ist nicht nebensächlich. Sie wird als echt anerkannt. Aber sie kann das bevorstehende Schicksal der Stadt nicht mehr wenden. Nur sein eigenes Geschick wird „milder“ sein, wenn denn der Tod milder sein kann.

 Der Gedanke lässt sich durchaus anschließen. Es ist nicht zwangsläufig, dass das Schicksal der Gesellschaft, des Staates immer auch das Geschick des Einzelnen in gleicher Weise ergibt. Es gibt im Untergang Bewahrungs-Geschichten. Es gibt in der Not der Vielen die Rettung Einzelner. Und es ist nicht unfair, dass das so ist. Es ist vielmehr – so denke ich – ein Zeichen der Güte Gottes. Auch im fremden Werk des Zornes hält er noch fest an seiner Güte. Ob das zu fromm gedacht ist?

 23, 1 Und der König sandte hin und es versammelten sich bei ihm alle Ältesten Judas und Jerusalems. 2 Und der König ging hinauf ins Haus des HERRN und alle Männer Judas und alle Einwohner von Jerusalem mit ihm, Priester und Propheten und alles Volk, Klein und Groß. Und man las vor ihren Ohren alle Worte aus dem Buch des Bundes, das im Hause des HERRN gefunden war. 3 Und der König trat an dem die Säule und schloss einen Bund vor dem HERRN, dass sie dem HERRN nachwandeln sollten und seine Gebote, Ordnungen und Rechte halten von ganzem Herzen und von ganzer Seele, um zu erfüllen die Worte dieses Bundes, die geschrieben stehen in diesem Buch. Und alles Volk trat in den Bund.

 Der Untergang ist angesagt. Aber Josia verfällt dennoch nicht in Lethargie. Er sammelt alle, die großen Leute und das Volk im Tempel. Dort lässt er das neu gefundene Buch des Bundes vor aller Ohren vorlesen. Aber nicht als Gerichtsworte, sondern als einen erneuten Ruf in den Bund mit dem HERRN. Von ganzem Herzen und von ganzer Seele wollen sie diesen Bund suchen, seine Gebote, Ordnungen und Rechte halten. Das erinnert schon sprachlich an Formulierungen aus dem Deuteronomium: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller deiner Kraft.“(5. Mose 6,5 ) Der ganze Vorgang hat etwas von Bundeserneuerung, wie sie in der Erzählung vom Landtag von Sichem dargestellt wird. Hier ist es eine Säule, an der Josia den Bund schliesst, dort ein Stein, an dem Josua den Bund erneuert. (Josua 24,27)

 Und auch das könnte man mithören, was im Jona-Buch erzählt wird als Wirkung der Ankündigung des Untergangs von Ninive: „Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und ließen ein Fasten ausrufen und zogen alle, gross und klein, den Sack zur Buße an….. Wer weiss? Vielleicht lässt Gott es sich gereuen und wendet sich ab von seinem grimmigen Zorn, das wir nicht verderben.“(Jona 3,5+9) Vielleicht lässt sich ja die Katastrophe noch abwenden, wenn wir uns Gott neu zuwenden?

Herr                                                                                                                                   auch wenn die Chance noch so klein ist                                                                             um Unheil abzuwenden darf nichts unversucht bleiben                                                       Solange es nicht da ist                                                                                                           ist das letzte Wort noch nicht gesprochen                                                                          Und Deine Propheten sind oft genug Mahner zur Umkehr                                                   auch in letzter Minute

 Herr                                                                                                                                     wehre Du aller Resignation                                                                                                   die sich einfach nur in ihr Schicksal ergibt                                                                         Lass uns lernen und üben                                                                                                   nach Wegen in der Gefahr und aus der Gefahr                                                                   zu suchen

Lass unseren Glauben stark werden                                                                                      dass Du denen hilfst                                                                                                             die Dich suchen                                                                                                                        und Deiner Güte trauen                                                                                                     gegen alles Unheil vor Augen. Amen