….und mache fest das Herz

2. Könige 19, 1 – 19

1 Als der König Hiskia das hörte, zerriss er seine Kleider und legte einen Sack an und ging in das Haus des HERRN.

 Die Botschaft seiner Boten trifft Hiskia tief. Er sieht sie mit ihren zerrissenen Kleidern. Und er selbst vollzieht die gleiche Geste. Sieht er nur noch den Tod? Es könnte auch sein, dass es ein Bußakt ist. Dafür spricht ja auch der Sack, den er anlegt. Im Hiobbuch heisst es: „Ich habe einen Sack um meinen Leib gelegt und mein Haupt in den Staub gebeugt.“ (Hiob 16,15) Das ist Geste der Unterwerfung unter die Trauer und Zeichen der Buße zugleich. So geht Hiskia tief gebeugt in den Tempel.

 2 Und er sandte den Hofmeister Eljakim und den Schreiber Schebna samt den Ältesten der Priester, mit Säcken angetan, zu dem Propheten Jesaja, dem Sohn des Amoz. 3 Und sie sprachen zu ihm: So sagt Hiskia: Das ist ein Tag der Not, der Strafe und der Schmach – wie wenn Kinder eben geboren werden sollen, aber die Kraft fehlt, sie zu gebären. 4 Vielleicht hört der HERR, dein Gott, alle Worte des Rabschake, den sein Herr, der König von Assyrien, gesandt hat, um hohnzusprechen dem lebendigen Gott, und straft die Worte, die der HERR, dein Gott, gehört hat. So erhebe dein Gebet für die Übriggebliebenen, die noch vorhanden sind.

 Von dort sendet er Boten zu Jesaja. Das ist ein Tag der Not, der Strafe und der Schmach sollen sie dem Propheten sagen. So sieht es Hiskia. Es ist die ungeschminkte Wahrheit und zugleich eine Deutung der Situation. Sie trifft uns als Schuldige. Und doch meldet sich da ein Funken Hoffnung. Jesaja soll vor Gott bringen, was der Rabschake gesagt hat. Denn das war ja nicht nur eine Rede, um den Männern den Mut zu rauben. Es war zugleich ein Angriff auf Gott selbst. Hat er ihn doch in eine Reihe mit den Götzen der Völker und ihrer Kraftlosigkeit gestellt. Hat er doch dem lebendigen Gott hohngesprochen, als er seine Leute so einzuschüchtern suchte.

 Der Rabschake ist in seinen Worten wie ein Nachfahre des Goliath, von dem David sagt: „Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Spieß, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth, des Gottes des Heeres Israels, den du verhöhnt hast.“(1. Samuel 17,45) Und später wird Jesus von seinen Leuten sagen: „Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.“ (Lukas 10,16) Weil Gott sich mit seinen Leuten identifiziert, ist es gefährlich, Spott und Hohn über sie aus zu schütten.

 5 Und als die Großen des Königs Hiskia zu Jesaja kamen, 6 sprach Jesaja zu ihnen: So sagt eurem Herrn: So spricht der HERR: Fürchte dich nicht vor den Worten, die du gehört hast, mit denen mich die Knechte des Königs von Assyrien gelästert haben. 7 Siehe, ich will einen Geist über ihn bringen, dass er ein Gerücht hören und in sein Land zurückziehen wird, und will ihn durchs Schwert fällen in seinem Lande.

 Jesaja macht Mut. Durch die Worte des Jesaja hindurch macht Gott selbst Mut. Denn er identifiziert sich wirklich mit seinen Leuten. Was der Rabschake gesagt hat, hat den HERRN gelästert. Und er wird es nicht zustande bringen. Gott, den er vor seinen Karren spannen wollte, der wird einen Geist über ihn bringen,der ihn umzukehren nötigt und die Belagerung Jerusalems in sich zusammen stürzen lässt.

 8 Und als der Rabschake zurückkam, fand er den König von Assyrien gegen Libna kämpfen, denn er hatte gehört, dass er von Lachisch abgezogen war. 9 Der König von Assyrien hatte nämlich gehört über Tirhaka, den König von Kusch: Siehe, er ist ausgezogen, mit dir zu kämpfen.

Nicht nur Hiskia ist unterwegs. Man soll es sich wohl so vorstellen: Der Rabschake kommt von seiner Rede an der Mauer zurück und erhält neue, militärisch wichtige Meldungen. Der Assyrer-König Sanherib liegt mit den Truppen vor Libna, einer kanaanäischen Festungsstadt im westlichen Bergland (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, S.422), das er einnehmen will, als er in einen anderen Konflikt verwickelt wird. Tirhaka, den König von Kusch ist gegen ihn losgezogen. Das bedeutet natürlich für den Rabschake, dass er seinem König mit den Truppen zur Hilfe kommen muss.

 Da sandte er abermals Boten zu Hiskia und ließ ihm sagen: 10 So sprecht zu Hiskia, dem König von Juda: Lass dich von deinem Gott nicht betrügen, auf den du dich verlässt und sprichst: Jerusalem wird nicht in die Hand des Königs von Assyrien gegeben werden. 11 Siehe, du hast gehört, was die Könige von Assyrien allen Ländern getan haben, dass sie den Bann an ihnen vollstreckten, und du allein solltest errettet werden? 12 Haben die Götter der Völker, die von meinen Vätern vernichtet sind, sie errettet: Gosan, Haran, Rezef und die Leute von Eden, die zu Telassar waren? 13 Wo ist der König von Hamat, der König von Arpad und der König der Stadt Sefarwajim, von Hena und Awa?

 Aber Sanherib, der König – er ist wohl mit dem er in 9c gemeint – , der den Rabschake von Jerusalem abzieht, schickt noch einmal Boten an Hiskia, diesmal mit einen Brief. In Kurzform wird wiederholt, was die Rede breit ausgeführt hat: Hiskia soll sich nicht täuschen. Sein Abzug ist nur eine Atempause. Der Bann wird an Jerusalem vollstreckt werden wie an allen Ländern, die Widerstand geleistet haben. Sie haben sich auf ihre Götter verlassen und waren am Ende verlassen. „Im Grunde gibt es überhaupt keinen Gott, der gegen Assyrien zu helfen vermag.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, S. 428) Es ist eine geradezu spöttische Frage: Wo ist der Real-Grund für Hiskias Glauben: Du allein solltest errettet werden? Er hängt einer trügerischen Hoffnung an.

 14 Als Hiskia den Brief von den Boten empfangen und gelesen hatte, ging er hinauf zum Hause des HERRN und breitete ihn aus vor dem HERRN 15 und betete vor dem HERRN und sprach: HERR, Gott Israels, der du über den Cherubim thronst, du bist allein Gott über alle Königreiche auf Erden, du hast Himmel und Erde gemacht. 16 HERR, neige deine Ohren und höre, tu deine Augen auf und sieh und höre die Worte Sanheribs, der hergesandt hat, um dem lebendigen Gott hohnzusprechen. 17 Es ist wahr, HERR, die Könige von Assyrien haben die Völker mit dem Schwert umgebracht und ihre Länder verwüstet 18 und haben ihre Götter ins Feuer geworfen, denn es waren nicht Götter, sondern Werk von Menschenhänden, Holz und Stein; darum haben sie sie vertilgt. 19 Nun aber, HERR, unser Gott, errette uns aus seiner Hand, damit alle Königreiche auf Erden erkennen, dass du, HERR, allein Gott bist.

 Hiskia zeigt sich wieder als der König nach dem Herzen Gottes. Er geht mit dieser Botschaft, diesem Brief, diesem Aktenstück zu Gott, in das Haus des HERRN. Er weiß ja: Der eigentliche Adressat dieser Hohn-Botschaften bin nicht ich – es ist der Gott Israels, der HERR. Der Brief macht den Hochmut des Sanherib regelrecht aktenkundig.

 Und so ruft Hiskia zu Gott. Es stimmt ja, was Sanherib durch seine Leute sagen lässt. Niemand hat ihn aufhalten können. Alle Länder sind gefallen. Alle Götter sind verbrannt. Es ist offenbar geworden: Sie waren nicht Götter, sondern Werk von Menschenhänden, Holz und Stein. Aber gerade darum:„Die eigentliche Frage, die die Worte Sanheribs aufwerfen ist: Wie steht es mit dem Gottsein Jahwes?“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, S. 428) Jetzt ist es an der Zeit, dass sich zeigt, dass der HERR anders ist als die Götter, dass er Macht hat zu erretten, dass er der lebendige Gott ist. Das ist keine theologische Wahrheit, um die es hier geht: Es ist der Lebensgrund, auf dem allein Juda existieren kann, dass alle Königreiche auf Erden erkennen, dass du, HERR, allein Gott bist.

 Für uns mögen das nur theologische Sätze sein. Für Israel ist es mehr. Es ist das Bekenntnis, das in Jahrhunderten gewachsen ist – und durch den Untergang hindurch ausdrücklich in der Verkündigung des zweiten Jesaja: „Vor mir ist kein Gott gemacht, so wird auch nach mir keiner sein. Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein Heiland.“ (Jesaja 43.10c.11) Es sind Sätze, die Hoffnung gebären und das Leben tragen. Und wenn und weil sich ihre Wahrheit erweist, geht das Leben weiter. Ihre Wahrheit aber erweist sich nicht im theoretischen Diskurs, so wie wir meistens Wahrheit suchen, sondern in der Hingabe, in den Schritten, die man mit dieser Wahrheit wagt. „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“ (Jesaja 7,9)

 Heiliger Gott                                                                                                                        damit unser Herz fest werden kann                                                                                     beständig                                                                                                                                 damit wir Zuversicht fassen können in grosser Not                                                               braucht es die Worte von aussen                                                                                         die wir uns nicht selbst sagen können

Und es braucht den Ort                                                                                                        an dem wir unser verzagtes Herz                                                                                    ausschütten können                                                                                                               der Angst freien Lauf lassen können                                                                                    um Hilfe rufen

Danke                                                                                                                                     dass Du uns diesen Ort gibst                                                                                                 dass Du selbst für uns dieser Ort sein willst. Amen