Wer Gott nicht vertraut …

2. Könige 18, 1 – 12

1 Im dritten Jahr Hoscheas, des Sohnes Elas, des Königs von Israel, wurde Hiskia König, der Sohn des Ahas, des Königs von Juda. 2 Er war fünfundzwanzig Jahre alt, als er König wurde; und er regierte neunundzwanzig Jahre zu Jerusalem. Seine Mutter hieß Abi, eine Tochter Secharjas.

Das Thema wechselt. Jetzt geht es um das Südreich, um Juda, um Jerusalem. Dem Prinzip synchronistischer Datierung folgend, wird der Antritt der Herrschaft des Hiskia bestimmt. Er wird über lange Zeit – 29 Jahre sind ein fast eine ganze Generation – König in Juda sein. „Hiskias eigener Name („Jahwe ist meine Stärke“) wie der seiner Mutter Abi, nach 2. Chron. 29, 1 Abia („mein Vater ist Jahwe“) und seines Großvaters Sacharja ((„Jahwe erinnert sich“) drücken alle eine Bekenntnis zu Jahwe aus.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, S.407 ) Man könnte auch sagen: Diese Namen sind ein Regierungsprogramm.

 3 Und er tat, was dem HERRN wohlgefiel, ganz wie sein Vater David. 4 Er entfernte die Höhen und zerbrach die Steinmale und hieb das Bild der Aschera um und zerschlug die eherne Schlange, die Mose gemacht hatte. Denn bis zu dieser Zeit hatte ihr Israel geräuchert und man nannte sie Nehuschtan.

 Es folgt die – vorgreifende – Beurteilung des Hiskia. Er ist ein König ganz nach dem Sinn des HERRN. Einer, der David nacheifert. Die Begründung folgt sogleich: Er „säubert“ die religiöse Landschaft, entfernt die Tempel auf den Höhen und das Aschera-Bild und auch die eherne Schlange. Er führt also so etwas wie eine Kultzentralisation durch. Am Ende seiner Maßnahmen gibt es nur noch den Tempel in Jerusalem.

 <Unter Exegeten ist umstritten, ob das historisch stimmt. Es erinnert ja stark an die spätere Reform des Josia mit ihrer Konzentration auf den Tempel in Jerusalem. Und manche Exegeten meinen eben, dass diese Reform des Josia hier in die Zeit des Hiskia vordatiert worden sei.>

 Aufregend finde ich den Hinweis auf die Zerstörung der ehernen Schlange. Da hat sich ein „Traditionsstück“ verselbstständigt. Es ist wie eine Reliquie verehrt worden und hat so quasi den Rang einer Gottheit angenommen. Das gibt es also, dass sich geistliche Erfahrungen lösen von ihrem Ursprung, „verdinglichen“, und damit einen Rang einnehmen, der ihnen nicht zusteht. Es erscheint mir durchaus möglich, dass Überlegungen, die an diese Notiz anknüpfen, hinter dem wüsten Bildersturm reformatorischer Kreise im 16. Jahrhundert stehen. Noch ein Frage beschäftigt mich: Steht hinter dem Kult um die eherne Schlange eine sehr viel ältere Tradition? Und was könnte das für die Erzählung vom Sündenfall bedeuten? Wäre dann die Schlange dort nicht einfach nur die Stimme des Versuchers, sondern die Stimme einer Gottheit, die mit dem HERRN konkurriert? Dann ginge es hier nicht um Lust oder ähnliches, sondern um das Hören auf einen anderen Gott, der sich in der Gestalt der Schlange zu Wort meldet.

 5 Er vertraute dem HERRN, dem Gott Israels, sodass unter allen Königen von Juda seinesgleichen nach ihm nicht war noch vor ihm gewesen ist. 6 Er hing dem HERRN an und wich nicht von ihm ab und hielt seine Gebote, die der HERR dem Mose geboten hatte. 7 Und der HERR war mit ihm und alles, was er sich vornahm, gelang ihm.

Noch einmal wird Hiskia beurteilt: Einmalig, einzigartig ist er als König – vor ihm und nach ihm – keiner wie er! Es klingt fast so, als würde hier sogar das Vergleich mit David noch als unzureichend empfunden. Er vertraute dem HERRN, dem Gott Israels, er hing dem HERRN an, er hielt seine Gebote. Das ist nicht nur äußerlich korrekter Gottesdienst, sondern innere Verbundenheit. Kurz: Hiskia ist der König, wie er sein soll. Und darum ist der HERR mit ihm und alles gerät ihm wohl.

 Und er wurde abtrünnig vom König von Assyrien und war ihm nicht mehr untertan. 8 Er schlug auch die Philister bis nach Gaza und seinem Gebiet, von den Wachttürmen bis zu den festen Städten.

 Die letzte Feststellung gewinnt besonderes Gewicht, wenn man sie mit der politischen Entscheidung zusammen sieht. Hiskia stellt die Tributzahlungen an Assur ein, löst sich aus der Abhängigkeit. Das ist für alle Könige der Region ein hoch riskantes Unternehmen. Aber Hiskia wagt es. Und er führt, so entlastet, erfolgreich Krieg gegen die Philister. In diesen erfolgreichen Aktionen zeigt es sich: Der HERR war mit ihm.

9 Im vierten Jahr Hiskias, des Königs von Juda – das war das siebente Jahr Hoscheas, des Sohnes Elas, des Königs von Israel -, zog Salmanassar, der König von Assyrien, herauf gegen Samaria und belagerte es 10 und nahm es ein nach drei Jahren. Im sechsten Jahr Hiskias, das ist im neunten Jahr Hoscheas, des Königs von Israel, wurde Samaria eingenommen. 11 Und der König von Assyrien führte Israel weg nach Assyrien und ließ sie wohnen in Halach und am Habor, dem Fluss von Gosan, und in den Städten der Meder, 12 weil sie nicht gehorcht hatten der Stimme des HERRN, ihres Gottes, und seinen Bund übertreten hatten und alles, was Mose, der Knecht des HERRN, geboten hatte; sie hatten nicht gehorcht und nicht danach getan.

Es folgt der Blickwechsel ins Nordreich. Was schon zuvor ( Kapitel 17,1 – 23) geschildert worden war, wird hier zusammengefasst. Das Nordreich ist untergegangen wegen seines fehlenden Gehorsams gegen den Herrn. „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“(Jesaja 7,9) Dem gegenüber steht der Gehorsam und das Vertrauen Hiskias. Weil er Gott vertraut, hat Juda Bestand. Das ist die Lektion, die die Leserinnen und Leser nach dem Willen der Verfasser der Königsbücher lernen sollen.

 Herr                                                                                                                                  Menschen nach Deinem Herzen                                                                                         sind Menschen                                                                                                                      die sich Dein Gebot zu Herzen nehmen                                                                                  Deine Wege suchen                                                                                                                  Dir vertrauen

Menschen nach Deinem Herzen                                                                                        sind tief erfüllt                                                                                                                       vom Vertrauen auf Deine Hilfe                                                                                           Das kann manchmal                                                                                                       wagemutig machen                                                                                                     Entscheidungen treffen lassen                                                                                            deren Folgen unabsehbar sind

Verankere Du mein Leben so tief in Dir                                                                            dass ich über die Angst hinaus                                                                                         neue Wege zu gehen wage. Amen