Nicht gaffen – Himmelfahrt

Apostelgeschichte des Lukas

So haben es Generationen von Konfirmanden gelernt, Generationen von Bibellesern gelesen. Aber es steht nicht über dem griechischen Text: Apostelgeschichte des Lukas. Ist es denn dann die richtige Überschrift über dem deutschen Text? Keine Frage – es ist der zweite Teil des „lukanischen Doppelwerkes“, wie es in der Wissenschaft gerne heißt. Der Verfasser des Lukas-Evangeliums schreibt einen zweiten Teil. Das ist korrekt.

 Nur, noch einmal gefragt: Ist das, was er schreibt, eine Apostelgeschichte? Sind es wirklich die Apostel, die Geschichte machen – oder machen sie doch nur Geschichten? Das ist die Frage, die mich beschäftigen wird: Wenn es aber nicht die Apostel sind, um die es in erster Linie geht, wer ist dann der „Motor“ dieser Geschichte? Wer ist der „Akteur“ hinter den „Aktionen“? Was ist die Kraft, die hier Menschen in Bewegung setzt? Und wie hängt das mit dem zusammen, was Lukas in seinem Evangelium erzählt und gedeutet hat?

 Eine weitere Überlegung: Ich habe gelernt und denke auch, dass das richtig ist, dass die Evangelien, auch das Lukas-Evangelium, nicht Bericht sein wollen, nicht eine Art Biographie, sondern Verkündigung. Es sind „Predigten“, die da zusammen gestellt sind. Was hindert mich, dann aber auch die Texte der Apostelgeschichte so zu lesen, als Predigten und nicht als den Versuch, eine Geschichte der jungen Christenheit und ihrer missionarischen Bemühungen zu schreiben. Wenn das stimmt, sind alle diese Geschichten offen zu uns hin und wollen uns bewegen – nicht weil alles so sein muss wie es damals war, sondern weil die hier angefangene „Predigt“ bei uns weitergehen soll und wir unseren Part anfügen dürfen.

 Viele Fragen – wir werden sehen, was als Antwort tragfähig ist.

 Apostelgeschichte 1, 1 – 14

  Den ersten Bericht habe ich gegeben, lieber Theophilus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte 2 bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte.

Es ist noch nicht alles gesagt. Es ist noch nicht alles erzählt. Lukas ist am Ende seines Evangeliums noch nicht am Ende mit dem Evangelium. Es geht weiter. Wie es weitergeht, das wird der Inhalt dessen sein, was der Gottesfreund Theophilus zu lesen bekommt.

 Ich erinnere mich an Jungen-Namen meiner Kindheit: Gottfried, Gottlob, Gotthilf, Gotthart. Das waren Hoffnungsnamen der Eltern für ihre Kinder, ein erhofftes Lebensprogramm steckte in diesen Namen. So ist es auch mit dem Namen Theophilus – es ist ein Name, angefüllt mit der Hoffnung, er möge ein Gottesfreund werden. Und was Lukas seinem Leser erzählt, soll doch wohl dieser Hoffnung aufhelfen.

Dem Glauben hilft auf die Beine, wenn etwas erzählt wird. Das ist ja anders als bei uns. Bei uns scheint man zu denken: Dem Glauben hilft auf die Beine, wer ihn erklärt, wer ihn auf den Begriff bringt. Lukas dagegen möchte erzählen, weil er seinem Erzählen zutraut, dass es Kraft hat und Mut macht, Mut zum Glauben.

Eine knappe Andeutung fasst das Evangelium zusammen: Vom Anfang des Handelns Jesu bis zum Tag der Himmelfahrt, genauer bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde. Mir fällt auf: Die so ausführliche Vor-Geschichte um Ankündigung, Geburt und Kindheit Jesu fällt weg. Hier geht es nur noch um Jesu Handeln, nicht mehr um seine himmlische Herkunft.

3 Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. 4 Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt; 5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.

Es ist fast wie mit dem Samstag zwischen Karfreitag und Ostern. Eine stille, verborgene Zeit. Zwischen der Auferstehung und der Himmelfahrt liegen vierzig Tage. Es sind die Tage, in denen Jesus den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte. Es sind nicht Tage voller Öffentlichkeitswirksamkeit. Aber es sind Tage, in denen der Grund gelegt wird für das, was folgen wird, was öffentlich wirksam werden wird. Jesus zeigt durch viele Beweise als der Lebendige …und redete mit ihnen vom Reich Gottes.

 Die Berichte über die Begegnungen mit dem Auferstanden, wie sie in den Evangelien vorliegen, sind hier einzuzeichnen. Und wenn ich ernst nehme, was ich da lese, kann ich sagen: die Unterweisung über das Reich Gottes Jesu in dieser Zeit ist schlicht, dass er da ist, dass er sich seinen Jüngern zeigt.

 Es ist müßig, darüber nachzudenken, was er hier inhaltlich gelehrt hat. Die Bibelstunde auf dem Weg nach Emmaus muss da als Information reichen: „Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war.“ (Lukas 24, 26-27) Wichtiger ist das andere: was hier im Verborgenen geschieht, drängt ans Licht: „Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern.“ (Matthäus 10,26-27)

 Diese Zeit der Verborgenheit ist eine kostbare Zeit. Warten. Aushalten an dem Ort, an den sie gestellt sind. Nicht den eigenen Flucht-Reflexen folgen. Auch nicht eigene Pläne schmieden. Der Anfang des Weges in die Welt ist Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters. Es ist so rasch geschehen, dass man auf selbst gewählten Wegen Jerusalem verlässt, sich irgendwie irgendeinen Weg bahnt, die Dinge selbst in die Hand nimmt.

 Die Überzeugung des Lukas, die sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch ziehen wird ist: nicht eigene Wege wählen aus Furcht oder Selbst-Überschätzung, sondern sich darauf verlassen, dass Gott, der Vater, führt, dass er seine Verheißung erfüllt. „Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“ (Lukas 11, 13) Der Vater ist zuverlässig. Er gibt, was die Christen dringender brauchen als Brot – den Heiligen Geist.

6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? 7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;

 Immer wieder die gleiche Frage: Wann? Wann ist es so weit, dass das Reich kommt? Wann ist es so weit, dass der Streit der Welt ans Ende kommt? Wann ist es so weit, dass es kein Unrecht mehr gibt, keinen Krieg, keine Gewalt, keinen Tode mehr? Wann ist das Leiden an der Zeit zu Ende? Es ist nicht die Neugier, die so fragt. Es ist nicht das naseweise Wissen-wollen. Es ist das Leiden an der Welt und die Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit, nach dem Schauen Gottes. Die Antwort Jesu auf die immer gleiche Frage der Sehnsucht ist die Antwort, die schon im Danielbuch gegeben ist: „Mein Herr, was wird das Letzte davon sein? Er aber sprach: Geh hin, Daniel; denn es ist verborgen und versiegelt bis auf die letzte Zeit.“(Daniel 12, 8-9) Gott weiß es und das reicht.

8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

 Das ist die andere Antwort: ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein: Das ist Versprechen und Auftrag in einem! Ihr erhaltet, was ihr braucht, Rückenwind aus der Wirklichkeit Gottes. Kraft aus der Ewigkeit. Den Geist, der euch zu Menschen meiner Gesinnung, meines Geistes macht, nicht gleichförmig mit mir, aber durchdrungen von meiner Art. Da braucht keiner mehr kleingläubig auf sich zu blicken: Aber ich kann doch nicht reden! Aber ich habe doch Angst vor Menschen! Aber ich habe noch gar nicht genügend nachgedacht! In dein Herz will Gott ein Feuer legen, das Feuer seiner Liebe, die in Jesus Christus ist – und dafür sollst du Zeuge werden.

Da sind Jünger, vierzig Tage zuvor geflohen, die sich nicht als sonderlich kampfstarke Gruppe erwiesen haben. Da ist die Stadt, die den Auftraggeber ans Kreuz abgedrängt und abgehängt hat. Da sind römische Truppen, denen ein Menschen1eben nicht allzu viel gilt und jüdische Tempelsoldaten, die sich auch nicht viel daraus machen würden, einen Anhänger dieses Gotteslästerers um die Ecke zu bringen! Und nun: Wie die Schafe mitten unter die Wölfe! (Matthäus 10,16) Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem! Da, wo es am schwersten werden musste, da sollen die Jünger anfangen! Wo der Widerstand am größten ist, wo sie das Symbol der Macht der Gegner – den Kaiseradler und den Tempel ständig im Auge haben, da sollen sie anfangen

Wo ist unser Jerusalem? Wo soll unser Zeugnis von Jesus seinen Anfang haben? Da, wo wir leben, wo man uns kennt, wo jeder Satz von uns geprüft wird an unserem Leben, da ist der Ausgangspunkt unseres Zeugendienstes. Wer für Jesus Zeuge wird, der wird zunächst einmal nach Hause geschickt zu den eigenen Leuten.

 Und dann nach Judäa – dorthin, wo man schon manches von Gott weiß, wo man manches erlebt hat, das einen berührt hat und ins Fragen bringt, und doch ist es noch ganz offen, ob man diesem Erleben traut und darin den Gott entdeckt, der das eigene Leben wandeln will.

Und wieder einen Schritt weiter: nach Samaria – zu den Verachteten, zu denen, die einen anderen Glauben haben, die sich nicht zum Volk Gottes halten. Wir müssen nicht mehr weit gehen nach Samaria – wir haben die Menschen anderen Glaubens und ohne Glauben in großer Zahl in unserem Land.

Und schließlich: Bis an das Ende der Erde. Schritt für Schritt führt Jesus seine Zeugen in größere Räume. Nicht erst die großen Schritte und dann die Kleinarbeit vor der Haustür. Nein – erst vor der eigenen Tür und dann immer weiter hinaus bis zum Zeugnis in allen Kontinenten! Nicht jeder wird alle Schritte tun   aber jeder kann und soll den ersten tun, auch der, der dann hinaus geführt wird in die Fremde!

 Dieses Wort ist die „lukanische Form“ des Missionsbefehl. Es ist gut, dass es ein Befehl in der Form einer Verheißung ist. Es ist Gott selbst, der Vater, der im Heiligen Geist die Kraft gibt, diesem Auftrag nachzukommen, nach zu stolpern.

 9 Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.

Eine Wolke nahm ihn vor ihren Augen weg. Dabei geht es nicht um die Art des Weggehens Jesu. „Die Wolke “ ist in der Bibel anderes und mehr als eine eine meteorologische Erscheinung: Gott zog in einer Wolke vor dem Volk Israel durch die Wüste. Bei der Taufe Jesu kam die Stimme Gottes aus einer Wolke. Diese beiden Hinweise genügen schon: Wolke bezeichnet in der Bibel die Gegenwart Gottes, des allmächtigen Vaters.

 Darum geht es hier nun auch wirklich: Mit seiner Himmelfahrt tritt Jesus in die Gegenwart das Vaters neu ein. Er geht dorthin, wo er hergekommen ist. Und er geht dorthin als der, der unsere Schuld ans Kreuz getragen hat. Er geht dorthin als der, der in allem dem Vater gehorsam war und in allem den Willen des Vaters erfüllt hat. Er geht dorthin als der, den der Vater gesandt hatte zu suchen und zu retten, was sonst ewiglich verloren ist. Und „dorthin“ gegangen, „an den Ort, den wir Himmel nennen“ (C.Bittlinger), sitzt er zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters – so wie wir es im Glaubensbekenntnis aussprechen.

10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. 11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

 Plötzlich, siehe, sind zwei Männer da. Das kleine Wort siehe ist immer ein Aufmerksamkeits-Signal an die Leser und Leserinnen. Es kommt etwas Wichtiges. Es liegt irgendwie nahe, weil sie in weiße Gewänder gekleidet sind, an Engel zu denken. Und was sie sagen, fordert heraus. Es spielt auf uralte Texte an: „Da wird dann kommen der HERR, mein Gott, und alle Heiligen mit ihm. Zu der Zeit wird weder Kälte noch Frost noch Eis sein. Und es wird ein einziger Tag sein – er ist dem HERRN bekannt! -, es wird nicht Tag und Nacht sein, und auch um den Abend wird es licht sein. Zu der Zeit werden lebendige Wasser aus Jerusalem fließen, die eine Hälfte zum Meer im Osten und die andere Hälfte zum Meer im Westen, und so wird es sein im Sommer und im Winter. Und der HERR wird König sein über alle Lande. Zu der Zeit wird der HERR der einzige sein und sein Name der einzig.“(Sacharja 14, 5-9) Das zu lesen fordert auf, sich zu erinnern: Die ganze Szene spielt am Ölberg. Dieser Ort ist nicht zufällig. An diesem Ort, auf diesem Berg wird der Kommende offenbar!

 Das andere ist genauso wichtig, auch dafür gilt das siehe! Die beiden Männer fordern auf, die Blickrichtung zu ändern. Die Augen der Sehnsucht sind nicht auf den Himmel, sondern auf die Erde gerichtet. Bis es so weit ist, gibt es noch zu tun – hier auf der alten Erde.

Wenn das Wasser immer wärmer wird  und die Fische schneller schwimmen, wenn das Wild sich in die Stadt verirrt,-um den Naturgewalten zu entrinnen: Ist es dann Zeit für mich, ganz langsam aufzustehn und, mit dem Rücken zur Welt gewandt, gebannt ins All zu sehn und drauf zu warten, dass irgendwas passiert?

Wenn alle Lügen Wahrheit werden, wenn Freude sich in Kummer kehrt, dann plappern und dann schwatzen die Gelehrten und der Verrückten Weisheit wird begehrt.  Ist es dann Zeit für dich…                             C. Bittlinger

  Mit dem Rücken zur Welt gewandt – gebannt ins All schauen? Das gibt es: Menschen, denen die Erde so fremd geworden ist, die hier so heimatlos sind, dass sie nur noch gehen möchten. Das gibt es: Menschen, die über der Sehnsucht nach dem Himmel vergessen, der Erde treu zu bleiben. Das gibt es: Menschen, die sich das bessere Jenseits erträumen und darüber versäumen, das Diesseits als den Ort anzunehmen, an dem Gott sie haben will mit ihrer Kraft, ihrer Phantasie, ihrer Leidenschaft, ihrer Hingabe.

 Manche sehen das Wirken Jesu wie eine physikalische Erscheinung: wenn man eine lange Reihe von Eisenbahnwaggons hintereinander stellt und an den ersten stößt eine Lok, dann pflanzt sich der Stoß fort. Aber je weiter er kommt, umso mehr verliert er an Kraft, bis er schließlich keine Wirkung mehr hat. Dass es mit Jesus auch so sei, dass ist die Hoffnung der Gegner, das ist die Angst mancher Christen. Und so stehen sie da und schauen gen Himmel: Kommt noch was oder kommt doch nichts mehr. Und sie verpassen dabei, wie er heute handelt, wenn sich einer von ihm gebrauchen lässt, wenn eine Gemeinde ihm gehorsam wird, wenn eine Kirche auf ihn hört und nicht auf die eigene Tagesordnung fixiert bleibt.

 12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der heißt Ölberg und liegt nahe bei Jerusalem, einen Sabbatweg entfernt. 13 Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus. 14 Diese alle waren stets beieinander einmütig im Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

Es ist ein mutiger Weg, dieser Weg zurück vom Ölberg nach Jerusalem. Die ganze Stadt liegt vor Augen. Die Schönheit des Tempels, das Häusergewirr und wer hinsieht, sieht eine Stadt mit tausend Problemen und tausend Wunden. Dorthin gehen sie und dort beten sie.

 Hat es eine Bedeutung, dass sie hinauf steigen in ein Obergemach? Sind sie so dem Himmel ein wenig näher? Upper room – das ist in vielen Spirituals ein Thema. Der Raum, der sich über den Alltag erhebt, der erlaubt, mehr zu sehen als das, was vor Augen ist, was unseren Blick fesseln und binden will. Wir sind zu mehr Freiheit bestimmt.

 Im Kreis gehen die´Menschen                                                                                             im Käfig ihres Planeten                                                                                                       weil sie vergessen haben                                                                                                  dass man zum Himmel aufblicken kann                                                                                   Eugene Ionesco

Beten ist das Erste – und vielleicht das Beste, für einfache Leute, was sie für ihre Stadt tun können. „Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl.“ (Jeremia 29,7) Jerusalem wird nicht ihre Bleibe für immer sein. Aber solange sie dort sind, sollen und dürfen sie für die Stadt und die Menschen in ihr vor ihrem Gott einstehen.

 Herr Jesus                                                                                                                          wie soll es weiter gehen                                                                                                       mit uns                                                                                                                                  mit mir                                                                                                                                  mit Deiner Welt                                                                                                                       jetzt                                                                                                                                          wo wir Dich nicht mehr sichtbar                                                                                               vor Augen haben?

 Wie soll es weiter gehen                                                                                                     mit dem Evangelium                                                                                                              Worten                                                                                                                              Taten                                                                                                                                Vergebung                                                                                                                             Gerechtigkeit                                                                                                                                      jetzt                                                                                                                                        wo wir alleine                                                                                                                     weiter gehen müssen?

 Du bist im Himmel                                                                                                               wir auf der Erde                                                                                                                   Gib uns was wir brauchen                                                                                                 Rückenwind und Tapferkeit                                                                                                offene Augen und Hände                                                                                                      Mut genug für den Weg                                                                                                             nach Jerusalem Judäa,                                                                                                     Samaria bis ans Ende der Welt. Amen