Vor dem Hohen Rat

Apostelgeschichte 5, 17 – 33

 17 Es erhoben sich aber der Hohepriester und alle, die mit ihm waren, nämlich die Partei der Sadduzäer, von Eifersucht erfüllt, 18 und legten Hand an die Apostel und warfen sie in das öffentliche Gefängnis.

Normalerweise ist das eine Sache derer, die unten sind, dass sie sich erheben. Es gibt Volkserhebungen, Es gibt Aufstandsbewegungen, in denen man sich gegen die Obrigkeit erhebt.

Warum toben die Heiden

 und murren die Völker so vergeblich?

 Die Könige der Erde lehnen sich auf,

 und die Herren halten Rat miteinander wider den HERRN

 und seinen Gesalbten                   Psalm 2, 1-2

 Ist diese Erhebung des Hohen Rates so von Anfang an als ein Aufstand gegen die wahre Obrigkeit, die Herrschaft Gottes charakterisiert?

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Ansteckendes Leben

Apostelgeschichte 5, 12 – 16

 12 Es geschahen aber viele Zeichen und Wunder im Volk durch die Hände der Apostel; und sie waren alle in der Halle Salomos einmütig beieinander. 13 Von den andern aber wagte keiner, ihnen zu nahe zu kommen; doch das Volk hielt viel von ihnen.

 Der – bedrückenden – Einzelszene folgt jetzt wieder ein eher summarischer Abschnitt. Es ist eine „Erfolgsgeschichte“, die da angefangen hat. Viele Zeichen und Wunder im Volk durch die Hände der Apostel – der Auftrag Jesu an seine Leute zieht Kreise. „Er rief aber die Zwölf zusammen und gab ihnen Gewalt und Macht über alle bösen Geister und dass sie Krankheiten heilen konnten.“ (Lukas 9,1) Sie tun, was der irdische Jesus ihnen aufgetragen hatte und setzen so das Werk des erhöhten Christus fort.

 Es gehört zum „Standard“ bei Lukas, das er darauf verweist, dass sie einmütig beieinander sind. Erstaunlich ist allenfalls der Ort: Die Halle Salomos ist ein Teil des Tempels. So ist diese unscheinbare Notiz doch ein wichtiger Hinweis: Die Jerusalemer Gemeinde hat sich nicht von Anfang an im Gegenüber zum Judentum verstanden, sondern sich als Teil des Judentums begriffen. Als der Teil, der zum Anfang der endzeitlichen Sammlung des Volkes gehört. „Ansteckendes Leben“ weiterlesen

Geistliche Hochstapelei – tödlich

Apostelgeschichte 5, 1 – 11

 1 Ein Mann aber mit Namen Hananias samt seiner Frau Saphira verkaufte einen Acker, 2 doch er hielt mit Wissen seiner Frau etwas von dem Geld zurück und brachte nur einen Teil und legte ihn den Aposteln zu Füßen.

Gute Beispiele stecken an. Aber sie können auch überfordern. Hananias scheint Barnabas als leuchtendes Vorbild vor Augen zu haben. Und so verkauft er auch. Einen Acker. Das klingt, als hätte er noch mehr Äcker. Aber er will es nicht übertreiben. Er hält vom Verkaufserlös einen Teil zurück. Ob es ein großer Teil oder ein kleiner Teil ist, spielt keine Rolle. Als er vor den Aposteln steht, erweckt er den Anschein, dass er alles gibt, was er erhalten hat.

 3 Petrus aber sprach: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen und etwas vom Geld für den Acker zurückbehalten hast? 4 Hättest du den Acker nicht behalten können, als du ihn hattest? Und konntest du nicht auch, als er verkauft war, noch tun, was du wolltest? Warum hast du dir dies in deinem Herzen vorgenommen? Du hast nicht Menschen, sondern Gott belogen.

Der Apostel ist ein Herzenskenner. Er hat Anteil an dieser Gabe, die auch der Herr Jesus hatte. Von ihm wird erzählt: Als aber Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denkt ihr so Böses in euren Herzen? (Matthäus 9,4) Zu meine Ängsten gehört, von klein-auf, dass Menschen in der Lage sind, meine Gedanken zu lesen, in die Un-Tiefen meines Herzens zu schauen. „Es steht auf deiner Stirn geschrieben!“ Wie schrecklich ist das für den, der so ein offenes Buch ist für den, der darin zu lesen versteht. „Geistliche Hochstapelei – tödlich“ weiterlesen

Ein Herz und eine Seele

Apostelgeschichte 4, 32 – 37

 32 Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.

 Ein Herz und eine Seele – das wünschen sich viele. Vor allem für ihre engen Beziehungen. Das über die erste Gemeinde zu lesen, erfüllt mit Staunen, vielleicht auch mit Neid. Sicher auch mit Skepsis. Ob das wirklich so war? Es ist eine große Neigung, so eine Aussage als „Idealbild“ zu bezeichnen und es damit auch sofort zu entschärfen: „Das ist kein realistischer Anspruch an uns heute.“

 Man kann danach fragen, ob in dieser Formulierung alttestamentliches Material mit verwendet ist.Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (5. Mose 6,5) Hier tauchen, eng gefügt, die drei Stichworte auf – Herz, Seele, Kraft, die dann auch auf das Leben der Gemeinde bezogen sind. Der Glaube an Gott realisiert sich – so lese ich dann – im Miteinander der Gemeinde. „Ein Herz und eine Seele“ weiterlesen

Redeverbot

Apostelgeschichte 4, 13 – 22

 13 Sie sahen aber den Freimut des Petrus und Johannes und wunderten sich; denn sie merkten, dass sie ungelehrte und einfache Leute waren, und wussten auch von ihnen, dass sie mit Jesus gewesen waren. 14 Sie sahen aber den Menschen, der gesund geworden war, bei ihnen stehen und wussten nichts dagegen zu sagen.

 Zweimal: sie sahen. Die Leute im Rat sind nicht blind, obwohl sie wohl verdutzt blinzeln und ihren Augen nicht trauen. Da stehen ungelehrte und einfache Leute vor ihnen und fürchten sich nicht. Es ist bekannt: Sie waren mit Jesus unterwegs. Aber sie kennen keine Angst mehr, dass sie sein Schicksal, seinen Tod teilen könnten. Sie reden freimütig. Παρρησία steht da. Es ist die Gabe des Geistes und keine nur zu natürliche Freimütigkeit, die sie so einstehen lässt. Es ist nicht die unbedachte Unbesonnenheit, die den Mund nicht halten kann, obwohl sie sich um Kopf und Kragen redet. Gott schenkt es seinen Leuten, dass sie freimütig reden können. Es ist sein Geist, der Petrus und Johannes keine Furcht kennen lässt. Reden müssen sie freilich dann schon selbst.

 Und die Leute im Rat sehen den ehemals Gelähmten, der nun auf eigenen Beinen steht. Was soll man dagegen sagen können? Es ist die Erfahrung bis heute: Geschichten, die das Leben schreibt, sind unschlagbar. Alle Begriffe verlieren, wenn man sehen kann: Das ist geschehen. Da ist einer auf die Beine gekommen. Damit ist alles gesagt. „Redeverbot“ weiterlesen

Kein anderer Namen

Apostelgeschichte 4, 1 – 12

 1 Während sie zum Volk redeten, traten zu ihnen die Priester und der Hauptmann des Tempels und die Sadduzäer, 2 die verdross, dass sie das Volk lehrten und verkündigten an Jesus die Auferstehung von den Toten.

 Was da im Tempel geschieht, ist in keinem Augenblick eine Privatangelegenheit. Es geht nicht nur um das schöne Erlebnis eines Einzelnen. Deshalb treten jetzt die auf, die für den Tempel zuständig sind – die Priester und der Hauptmann des Tempels und die Sadduzäer. Sie sind ja dafür da, dass im Tempel nichts geschieht, was da nicht da hingehört. Darum gehört zu ihren Aufgaben auch, darüber zu wachen, was da gesagt wird, gelehrt, verkündigt. Es ist keine Anmaßung – es ist ihre Berufung.

 Dazu kommt freilich ein theologischer Dissens. Die Sadduzäer halten nichts von der Auferstehung. Das ist in ihren Augen bloße Spekulation, frommes Hirngespinst. Schon ihr Disput mit Jesus (Lukas 20,27-33) hat das deutlich gezeigt. Darum sind sie auch regelrecht verärgert, dass diese leidige Thema jetzt wieder auf der Tagesordnung steht – und das auch noch verknüpft mit der Behauptung: Jesus ist von den Toten auferstanden. „Dafür sind wir Zeugen.“ (3,15) Das ist für die Sadduzäer logisch außer Frage: Wenn das stimmt, was die Jünger sagen, dann ist die Auferstehung der Toten nicht mehr ernsthaft zu bestreiten. Dann ist sie die Zukunft Gottes – denn Gott macht keine Ausnahme-Regelungen. Wenn Jesus auferstanden ist, werden auch die Toten auferstehen.

 So ähnlich argumentiert ja auch Paulus: „Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten?“ (1.Korinther 15,12) Die Auferstehung des Einzelnen – Christus – und die Auferstehung aller hängen unlöslich zusammen. Es gibt sie nur im Doppelpack. „Kein anderer Namen“ weiterlesen

Werben

Apostelgeschichte 3, 17 – 26

 17 Nun, liebe Brüder, ich weiß, dass ihr’s aus Unwissenheit getan habt wie auch eure Oberen.

Dem scharfen Angriff folgt – aus dem Mund des Petrus, nicht aus dem seiner Hörer – eine Entschuldigung. Es ist die Entschuldigung, die schon am Kreuz aus dem Mund Jesu laut wird: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lukas 23,34) Unwissenheit, α̉́γνοια – das ist die Erklärung des Lukas für das Verhalten der Menschen Christus gegenüber. Sie wissen es nicht besser. Das ist die Lage des Volkes, lang zuvor bei Jesaja (6,10) angesagt: Mit sehenden Augen nicht sehen, mit hörenden Ohren nicht hören. Sie sind blind für die göttliche Wirklichkeit, die sie vor Augen haben. Es ist die Wirklichkeit des natürlichen Menschen, dass er nicht sieht, mit wem er es zu tun hat, dass er Gott nicht erkennt in Jesus.

 Es ist, so denke ich, eine Entschuldigung aus Liebe. Petrus redet Klartext, aber er verliert dabei nicht aus den Augen: Ich will meine Zuhörer für den Glauben gewinnen und sie nicht lieblos aburteilen. Er eröffnet keine Treibjagd auf die Christusmörder. Wo immer man das später getan hat, hätte man besser auf die Worte des Petrus achten sollen. „Werben“ weiterlesen

Gott kann

Apostelgeschichte 3, 11 – 16

 11 Als er sich aber zu Petrus und Johannes hielt, lief alles Volk zu ihnen in die Halle, die da heißt Salomos, und sie wunderten sich sehr.

 Der Geheilte geht nicht seiner Wege. Er nimmt nicht seine Heilung und macht sich fort. Er bleibt bei den beiden Aposteln. Warum? Aus Dankbarkeit? Aus Neugier? Weil er spürt, dass bei ihnen einen Zugang zum Leben ist, der seine Lebenssehnsucht stillen könnte? Der Text sagt nichts über seine Motive – nur, dass er bleibt.

 Er hat etwas Grundlegendes verstanden. Es geht im Glauben nicht darum, eine positive Erfahrung abzukriegen. Es ist alles falsch, wenn einer seine Heilung nimmt wie einen erfolgreichen Einkauf und seiner Wege geht. Er hielt sich zu Petrus und Johannes. Darin gewinnt seine Heilung Tiefe, gewinnt sie festen Halt, wird er stabil. Er scheint zu spüren: hier wird meine Seele gesunden und Kraft gewinnen, so wie meine Beine gesundet sind und Kraft gewinnen. Der Weg seiner Heilung geht weiter.

 Weil er bleiben, bleiben auch andere. Er ist eine Sensation, einer, de man gesehen haben muss. Einer, auf den man zeigt. Es ist wie mit dem von den Toten auferweckten Lazarus: „Alle Welt läuft ihm nach.“ (Johannes 12,19) Das Volk kann sich gar nicht satt sehen und genug staunen über das, was da im Gang ist. Ein sonst ruhiger Ort der Sammlung wie die Halle Salomo wird zum Ort, wo es summt wie in einem Bienenschwarm. „Gott kann“ weiterlesen

Auf die Füße gekommen

Apostelgeschichte 3, 1 – 10

 1 Petrus aber und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, zur Gebetszeit.

 Nach dem knappen „Summarium“ wird es jetzt wieder anschaulich, bildhaft, wenn man so will: konkret. Es wird vorher wiederholt angedeutet, dass die Jerusalemer Gemeinde sich im Tempel sammelt, dort betet, dort ihren Platz hat. Man kann fragen, ob das nicht erstaunlich ist angesichts der Tatsache, dass die Worte Jesu über den zerbrechenden Tempel und sein bevorstehendes Ende gewichtige Argument in seinem Prozess waren. Aber wie auch immer, sie gehen dorthin. So auch Petrus und Johannes. Sie wollen zur Gebetszeit im Tempel sein. Sie sind es so gewöhnt.

 „Hier steht das Imperfektum, das im Griechischen die Dauer einer erzählten Handlung ausdrücken kann; wir könnten es durch den Zusatz „regelmäßig“ verdeutlichen. Der Gang zum Tempel, von dem berichtet wird, ist also nicht ein vereinzelter, sondern steht in der Reihe all der Tage, an denen Petrus und Johannes der festen Gebetssitte folgen.“(W. De Boor, Die Apostelgeschichte, Wuppertaler Studienbibel; S. 80)

 Die Bibel denkt positiv von geistlichen Gewohnheiten. Sie ist weit davon entfernt, sie für stumpfe Routine zu halten. Der Glaube braucht Gewohnheiten, in den er „wohnen“ kann, in denen er stabil sein kann. Das ist die gute Rolle von Ritualen. Wir Evangelischen haben – sehr zum eigenen Schaden und zum Schaden unserer Gemeinden – über lange Zeit vergessen, von der positiven Seite solcher Rituale und Gewohnheiten zu reden und sie auch einzuüben. „Es ist wahr: Wer nicht zu bestimmten Zeiten betet, betet auch nicht zu unbestimmten.“(W. De Boor, Die Apostelgeschichte, Wuppertaler Studienbibel; S. 80) „Auf die Füße gekommen“ weiterlesen

Kennzeichen der Kirche

Apostelgeschichte 2, 42 – 47

 42 Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.

Pfingsten ist vorbei. Der Platz vor dem Haus hat sich geleert. Der Alltag fordert sein Recht. Aus dem großen Ereignis wird Lebenspraxis. Auf den „Event“ an Pfingsten folgt die Umsetzung in kleine Schritte, die das Leben verankern in der Bindung an Gott.

 „Notae ecclesiae“, Zeichen der Kirche, nennen die Theolgen diese vier Elemente, die hier in einem dürren Satz zusammen gefasst sind. Sie meinen damit: Wo immer Kirche in der Zeit ist, werden diese vier Elemente sich wieder finden. Sie sind Bausteine des Lebens der Christenheit. Die Exegeten nennen den folgenden Abschnitt ein „Summarium“. Nicht mehr Einzelbilder werden gezeichnet, einzelne Begebenheiten erzählt, sondern viele Erfahrungen werden zusammengefasst. Dabei greift Lukas auf „Material“ zurück, das vor ihm schon da war. Es sind also Informationen, die nahe an den Anfang zurück führen.

 Es fängt damit an, dass es nicht einmalig bleibt: Sie blieben aber beständig. Christsein ist bleiben, beständig werden, verharren. Es ist nicht von ungefähr, dass das Johannes-Evangelium als eine Grundform der Jüngerschaft das Bleiben benennt. „Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.“(Johannes 15,4) In der Gemeinde in Jerusalem wird es eingeübt – bleiben, beständig werden. „Kennzeichen der Kirche“ weiterlesen