Der Weg ist frei

Lukas 24, 50 – 54

 50 Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. 51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.

 Jesus bleibt auch als der Auferstandene der, der seine Jünger führt. Und – erstmals wird das so ausdrücklich benannt: er segnet sie. Damit eröffnet er ihnen den Weg nach vorne. Der Segen ist Zukunftsöffnung, ist Beistands-Zusage für den Weg, der vor ihnen liegt. Es ist wie bei uns im Gottesdienst: Im Segen geschieht die Wegweisung in die Welt, in der die erfahrene Gemeinschaft mit Jesus bewährt werden will.

 Jesus ist jetzt nicht mehr bei den Jüngern – nicht mehr leibhaftig zugänglich. Nicht mehr sichtbar. Er nimmt seinen Platz ein – zur Rechten der Kraft Gottes ( 23, 69) Weil er dort für sie einsteht, können die Jünger getrost sein. Weil er dort zur Rechten Gottes ist, kommt das Leben von uns Menschen in neuer Weise bei Gott vor – sozusagen aus leibhaftiger Erfahrung des Auferstandenen.

Jesus Christus, Du bist uns nahe und bist uns voraus. Du bist gegenwärtig in der Höhe und der Tiefe, in Leben und Tod. Im Himmel und auf Erden.

 Wir sehen über uns den Himmel unendlich weit, manchmal offen,           tiefes Blau, strahlende Helle, Vor-Zeichen der Ewigkeit, manchmal grau und düster, bleiernes Schweigen, verschlossen, unzugänglich.

 Wir sind auf der Erde  sehnsüchtig suchend, Glück, Heil, Versöhnung, Gerechtigkeit, Frieden. Dich.

 Wo Du bist ist Himmel da. Wo Du bist ist Zukunft offen. Wo Du bist bricht Freude auf.  Unter Deinem Segen wird Weite, wird Friede, wird Lob und Dank. Unter Deinem Segen öffnen sich Wege, können wir uns wagen  Schritte nach vorne tun, uns dem Leben stellen. Sei uns nahe, öffne uns den Himmel mitten im Leben. Amen

 52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude 53 und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

 Es ist ein Abschied ohne Tränen. Es ist ein Loslassen, das in großer Freiheit geschieht. Und es ist ein Anfang: Sie aber beteten ihn an. Das ist vorher im Evangelium so nicht erzählt worden. Mit der Auferstehung und jetzt der Himmelfahrt hat sich etwas verändert. Jesus ist nicht mehr nur der Meister, nur der Lehrer, nur der, hinter dem sie hergehen. Jetzt ist er der, den sie anbeten. Hier steht in kurzer Folge zweimal das gleiche Wort: ευλογείν – anbeten. Die Jünger beten Jesus an und sie beten – so das letzte Wort des Evangeliums, Gott an. Die Anbetung Jesu nimmt Gott nichts weg, nichts an Ehre und Preis und Lob.

Weil sie so gesegnet sind, können sie auch zurück kehren nach Jerusalem. Dorthin, wo sie am liebsten geflohen wären. Dorthin, wo sie die dunkelste Stunde ihres Lebens erfahren haben. Dorthin, wo ihre Angst sie besetzt hatte, so dass sie sich unsichtbar machten. Dorthin gehen sie jetzt, erfüllt von der Freude.

 Und auch das ist bemerkenswert: Sie gehen in den Tempel. Mehr noch: Sie waren allezeit im Tempel. Sie wenden sich nicht vom Tempel ab. Es ist ihr Ort. Sie wissen ja: Der Vorhang ist zerrissen.( 23, 45) Die Tür ist weit aufgemacht. Der Ort Gottes ist neu zugänglich, für jedermann.

 Das letzte Wort des Evangeliums sie priesen Gott weist zurück auf den Anfang. Das Evangelium beginnt mit Lobliedern – aus dem Mund der Maria, des Zacharias, des Simeon. Und es endet mit dem Lob aus dem Mund der Jünger. Alle diese Lobenden – am Anfang und am Schluss des Evangeliums – sind merkwürdige Heilige, ganz und gar nicht fehlerfrei, ganz und gar nicht nur tapfer, oft genug wankend und zögerlich, begriffsstutzig und schwerfällig. Sie sind die, die den Ton angeben für alle Späteren, für alle Leserinnen und Leser des Evangeliums. Es ist sicherlich nicht überzogen zu sagen: So will Lukas sein Evangelium verstanden wissen – als eine Anleitung zum Lob Gottes.

Herr Jesus, es ist zum Staunen. Abschied sehe ich aber keine Tränen. Abscheiden, das Freude bringt, den Horizont weitet, den Weg zum Himmel öffnet.

Du gehst. Deine Jünger  sind zurückgelassen. Aber nicht allein,    zurückgeblieben,  aber voller Freude zum Leben

Du gehst, scheidest, fährst auf zum Himmel. Der feste Kreis der Erde ist aufgebrochen. Die Erde wird entgrenzt, der Himmel aufgetan. Die Angst wird überwunden, große Freude zieht ein. Der Schmerz wird geheilt und der Segen gewinnt Raum im Leben.

Wer so gesegnet ist kann leben, wo er hingestellt ist, erfährt Geistesgegenwart am Ort seines Lebens, kann das Zeitliche segnen, der Zukunft segnend entgegen gehen   dem Schmerz und der Freude, dem Leid und der Erfüllung

 Der Weg zum Himmel – Du bist ihn gegangen. Du hast ihn frei gemacht, auch für uns. Seitdem haben wir mehr Zukunft als unsere Fernsehstationen vermelden, als wir uns erarbeiten können, als wir sehen.

 Seitdem steht uns Dein Himmel offen. Amen