Wann endlich

Daniel 12, 1 – 13

 Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen.

             Es ist die Ahnung, dass es nicht vorbei ist mit den Zeiten der Bedrängung, bloß weil Antiochus Epiphanes tot ist. Das Abtreten eines Gewaltherren ist nicht das Ende aller Gewalt. Die Trübsal nimmt regelrecht überhand. Darum braucht es Michael, den Engelfürsten Israels. Darum braucht es den Beistand aus der Höhe.

Schon einmal war die Rede von Büchern, die aufgetan werden.(7,10) Hier nun geht es darum, dass die gerettet werden, die im Buch geschrieben stehen. Dahinter steht eine Erfahrung aus der Umwelt: Wer in der Bürgerliste einer Stadt, eines Landes steht, gehört zu denen, denen der Schutz der Stadt zuteil wird. „civis Romanus sum“ hat etwas von einer absoluten Schutzformel. Das wird übertragen auf die Vorstellung vom Gericht: Es wird öffentlich, was im Leben war, aufgedeckt in der Wirklichkeit Gottes. Aber wer im Buch des Himmels geschrieben steht, der hat „Bürgerrecht im Himmel“(Epheser 2,19) und wird von keiner Anklage mehr berührt. Darum sagt Jesus: „Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ (Lukas 10,20) Das ist der Listeneintrag, der vor Ungeschick bewahrt.

 2 Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande. 3 Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.

            Es ist eine der wenigen Stellen im Alten Testament, in denen die Auferstehungshoffnung in klare Worte gefasst ist. Es geht durch die Zeiten der Bedrängung der Auferstehung entgegen. Es ist eine Trostwort an die, die in der Zeit leiden, denen das Leben schwer gemacht wird. Es ist ein Trostwort für die, die in diesen Kämpfen Menschen verloren haben.

Und es ist zugleich ein mahnendes Wort. Auferstehung ist nicht für alle das „reine Glück“. Es mag Menschen geben, die mit gutem Grund darauf hoffen: Mit dem Tod ist alles aus. Das ist das Zeugnis, das Daniel aus dem Engelsmund empfängt: Es geht nicht für alle gleich aus. „Es wird eine Scheidung und Sichtung stattfinden, eine Auslese geheimnisvollster Art. Es wird solche geben, die „im Buch stehen“und solche, die nicht im Buch stehen. Gott selbst wird nicht Geschiedenes vereinen, sondern Vereinigtes scheiden“ (W. Lüthi, Die kommende Kirche. Die Botschaft des Propheten Daniel, 1937, S. 154)

             Aber wer wohin gehört, ob in das Buch oder nicht, wird nicht von uns eingeteilt. Diese Botschaft darf nicht dazu missbraucht werden, die einen als ungläubig abzuschreiben und sich selbst schon einmal einen Platz im Himmel zu attestieren und das „Reserviert-Handtuch” auszubreiten. Wie alles biblische Reden vom Gericht geht es hier nicht um Tatsachen-Feststellung oder gar um Festschreibungen, sondern um einen Ruf zur Umkehr. Noch ist Zeit zu hören und sich zu Gott zu wenden. „Wann endlich“ weiterlesen

Mit offenen Augen und festem Herzen

Daniel 9, 20 – 27

20 Als ich noch so redete und betete und meine und meines Volkes Israel Sünde bekannte und mit meinem Gebet für den heiligen Berg meines Gottes vor dem HERRN, meinem Gott, lag, 21 eben als ich noch so redete in meinem Gebet, da flog der Mann Gabriel, den ich zuvor im Gesicht gesehen hatte, um die Zeit des Abendopfers dicht an mich heran.

            Manchmal antwortet Gott gleich. Mag sein, dass wir oft den Eindruck haben: Es dauert. Es dauert zu lange. Hier aber erfährt Daniel noch in sein Beten hinein eine Antwort. Es ist bewegend, wie persönlich Daniel hier formuliert. Sechsmal in einem Satz kommt das Possessiv-Pronomen „mein“:  Meine und meines Volkes Sünde – mein Gebet – mein Gott. Es wird etwas davon spürbar, wie der Seher hier innerlich beteiligt ist. Er kann nicht auf Distanz gehen.

Und Gott bleibt auch nicht auf Distanz. Er sendet seinen Boten. Dreimal in der Schrift wird der Engel Gabriel als Bote gesandt – hier zu Daniel, dem er schon zuvor geholfen hatte, sein Gesicht vom Widder und Ziegenbock zu verstehen (8,17f) und später zu dem Mädchen in der jüdischen Provinz, zu Maria (Lukas 1,26). Sonst wissen wir nichts von Gabriel. Hier aber tritt er aus der Verborgenheit der Engelwelt hervor. Der eine Bote wird gesandt, um den verzagten Daniel zu trösten über seinem Gebet und um das Heil der Welt anzusagen – das Horn des Heils (Lukas 1, 69) anzukündigen im Gegensatz zu diesen Hörnern der Gewalt, die Daniel stetig zu sehen hat. Dieser Bote kommt zur Abendzeit, wenn der Tag sich dem Ende zuneigt.

22 Und er unterwies mich und redete mit mir und sprach: Daniel, jetzt bin ich ausgegangen, um dir zum rechten Verständnis zu verhelfen. 23 Denn als du anfingst zu beten, erging ein Wort, und ich komme, um dir’s kundzutun; denn du bist von Gott geliebt. So merke nun auf das Wort, damit du das Gesicht verstehst.

                        Du bist von Gott geliebt. Das ist der zentrale Satz der Botschaft Gabriels. So empfinde ich zumindest. Weil er von Gott geliebt ist, gibt ihm Gott Einblick in das Geschehen, öffnet er ihm die Augen für das, was im Gang ist. Wer mir gleichgültig ist, den lasse ich vor sich hin leben. Aber wer mir wichtig ist, dem sage ich, was ist und was kommt. Wenn das bei uns Menschen schon so ist, wie viel mehr bei Gott.

Es ist ein  Wechselspiel der Liebe. Zeigt Daniel in seinem Beten seine Liebe zu Gott, zu seinem Volk, zu seiner Stadt, so zeigt Gott in dem Boten Gabriel seine Liebe zu Daniel.   „Mit offenen Augen und festem Herzen“ weiterlesen

Schuld-Bekenntnis – stellvertrend für alle

Daniel 9, 1 – 19

 1 Im ersten Jahr des Darius, des Sohnes des Ahasveros, aus dem Stamm der Meder, der über das Reich der Chaldäer König wurde, 2 in diesem ersten Jahr seiner Herrschaft achtete ich, Daniel, in den Büchern auf die Zahl der Jahre, von denen der HERR geredet hatte zum Propheten Jeremia, dass nämlich Jerusalem siebzig Jahre wüst liegen sollte. 3 Und ich kehrte mich zu Gott, dem Herrn, um zu beten und zu flehen unter Fasten und in Sack und Asche.

             Wieder eine genaue Angabe, wann Daniel etwas erlebt. Seine Gedanken, Gesichte, Träume, Geschichten sind nicht zeitlos, schweben nicht über die Zeit. Sie sind verknüpft mit konkreten Zeitpunkten. Sie gehören in die Geschichte und nicht in die ewige Zeitlosigkeit.

Daniel ist ein „Bibelleser“. Er nimmt die Schriften der Propheten zur Hand. Er studiert, was andere vor ihm geschaut, gesagt und aufgeschrieben haben. Im Konkreten geht es um Jeremia und die von ihm angesagte Zeitdauer,  die  Jerusalem wüst liegen sollte. Es sind siebzig Jahre, mehr als zwei Generationen. Zeit genug, um jede Erinnerung an Jerusalem verblassen zu lassen. Zeit genug, um den Ort, an dem man lebt, für den einzigen Ort zu halten, an dem sich zu leben lohnt. Zeit genug, um sich die Sehnsucht „nächstes Jahr in Jerusalem“ abzuschminken.

Was Daniel liest, ist für ihn ein starker Impuls. Und ich kehrte mich zu Gott, dem Herrn, um zu beten und zu flehen unter Fasten und in Sack und Asche. Es sind Reue und  Buße, die in diesem Satz angedeutet werden. Es lässt Daniel nicht kalt, es ist auch nicht einfach nur eine Information, nach der er gerne Genaueres (7, 16+19) wüsste. Er liest und weiß: Jetzt ist Umkehr, Buße. Schuldeingeständnis angesagt.

4 Ich betete aber zu dem HERRN, meinem Gott, und bekannte und sprach: Ach, Herr, du großer und heiliger Gott, der du Bund und Gnade bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten! 5 Wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten abgewichen. 6 Wir gehorchten nicht deinen Knechten, den Propheten, die in deinem Namen zu unsern Königen, Fürsten, Vätern und zu allem Volk des Landes redeten. 7 Du, Herr, bist gerecht, wir aber müssen uns alle heute schämen, die von Juda und von Jerusalem und vom ganzen Israel, die, die nahe sind, und die zerstreut sind in allen Ländern, wohin du sie verstoßen hast um ihrer Missetat willen, die sie an dir begangen haben.

Gott ist gerecht. Gott ist beständig. Gott ist treu. Das hält sich Daniel vor Augen. Und indem er Gott so sieht, sieht er auch, wie das Volk ist, Wie Israel ist: Wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden. Israels Antwort auf die Gnade und den Bund Gottes  sind Ungehorsam und Untreue. Wir sind von deinen Geboten und Rechten abgewichen. Hier zeigt sich, was Unglaube ist: Abweichen von der Lebensform, in die man durch die Gebote und Rechte Gottes gestellt ist. Abweichen von den Verhaltensweisen, die sich aus der Zugehörigkeit in den Bund ergeben.

Wir heutzutage tun so oft so, als sei es Unglaube zu sagen: Es gibt keinen Gott. Oder irgendwelche Sätze des Glaubensbekenntnisses nicht zu unterschreiben oder sie anzuzweifeln. Schwierigkeiten mit der Jungfrauengeburt, der Hölle, dem jüngsten Gericht. Aber Unglaube ist Anderes: Das Leben auf eigene Faust sichern. Sich in die Sorge verspinnen. Das Vertrauen verweigern, dass Gott für uns sorgt. Rücksichtlos die eigene Stärke behaupten und dabei das Recht beugen, die Gerechtigkeit mit Füßen treten. Andere klein und sich selbst mit allen Mitteln, auch unfairen und unrechten, groß machen. Das alles geschieht da, wo Gottvertrauen keine Rolle mehr spielt und der Satz gilt: Hilf dir selbst, so hilft dir Gott. Wir merken meistens nicht, wie dieser Satz das „selbst“ zum Gott macht. „Schuld-Bekenntnis – stellvertrend für alle“ weiterlesen

Deutungen

Daniel 7, 16 – 28

16 Und ich ging zu einem von denen, die dastanden, und bat ihn, dass er mir über das alles Genaueres berichtete. Und er redete mit mir und sagte mir, was es bedeutete.

            Daniel träumt nicht nur. Er wird im Traum selbst aktiv. Er sucht und findet einen, den er um Auskunft bitten kann. Es ist der `angelus interpres‘, der die Gesichte deutet. Daniel weiß, dass er  nicht von selbst verstehen wird, was er da gesehen hat. Seine Erleuchtung, Klugheit und Weisheit wie der Götter Weisheit (5,11) kommen hier an ihre Grenze, wenn nicht der Bote Gottes ihm entschlüsselt, was es bedeutet. Auch der Seher ist und bleibt angewiesen auf die Entschlüsselung der Bilder aus der Wirklichkeit Gottes.

  „Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, als allein der Geist des Menschen, der in ihm ist? So weiß auch niemand, was in Gott ist, als allein der Geist Gottes.Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. (2. Korinther 2, 11-12) Es braucht den Geist Gottes – bei Daniel so gut wie bei uns, damit uns die Augen aufgehen und wir Genaueres sehen und begreifen.

17 Diese vier großen Tiere sind vier Königreiche, die auf Erden kommen werden. 18 Aber die Heiligen des Höchsten werden das Reich empfangen und werden’s immer und ewig besitzen.

            Der knappe Satz ist wie eine Zusammenfassung alles dessen, was als Deutung zu sagen sein wird. Die Tiere stehen für kommenden Reiche. Sie sind sozusagen ihre symbolische Ankündigung. Dann kommt das große  Aber. Nach dem Willen Gottes ist es irgendwann mit diesen Reichen der Welt vorbei und es kommt das ewige Reich. Das wird das Reich sein, „in dem Güte und Treue sich begegnen, Frieden und Gerechtigkeit sich küssen“ (Psalm 85,11). Und es wird das Reich sein, in dem  die Heiligen des Höchsten ihren Platz finden.

19 Danach hätte ich gerne Genaueres gewusst über das vierte Tier, das ganz anders war als alle andern, ganz furchtbar, mit eisernen Zähnen und ehernen Klauen, das um sich fraß und zermalmte und mit seinen Füßen zertrat, was übrig blieb; 20 und über die zehn Hörner auf seinem Haupt und über das andere Horn, das hervorbrach, vor dem drei ausfielen; und es hatte Augen und ein Maul, das große Dinge redete, und war größer als die Hörner, die neben ihm waren. 21 Und ich sah das Horn kämpfen gegen die Heiligen, und es behielt den Sieg über sie, 22 bis der kam, der uralt war, und Recht schaffte den Heiligen des Höchsten und bis die Zeit kam, dass die Heiligen das Reich empfingen.

Wieder hätte Daniel gerne Genaueres gewusst. Ist es bloße Neugier, die Daniel jetzt noch weiter fragen lässt? Oder ist es der Schrecken, der ihn nicht loslässt? Das gibt es ja, dass ein Bild so schrecklich ist, das man den Blick nicht davon lösen kann, dass man wie erstarrt ist. Die Schilderung des vierten Tieres wiederholt sich hier in der Deutung, als würde Daniel vor sich hinstammeln, fassungslos das immer Gleiche sagen. Ich glaube, es geht Daniel um ein Wissen, dass es erlaubt, sich auf das einzustellen, damit fertig zu werden, was sich da ankündigt. „Deutungen“ weiterlesen

Einer in Menschengestalt

Daniel 7, 1 – 15

 1 Im ersten Jahr Belsazars, des Königs von Babel, hatte Daniel einen Traum und Gesichte auf seinem Bett; und er schrieb den Traum auf und dies ist sein Inhalt:

            Im Gesamten des Buches ist es wie ein Nachtrag, ein Sprung zurück über die Geschichte mit der Löwengrube, hin in die Belsazar-Zeit. Nicht nur die Könige haben Träume. Der oberste Traum-Deuter des Reiches träumt auch. Vielleicht muss man ja auch sagen: Nur wer selbst träumt und seine Träume ernst nimmt, wird auch die Träume anderer so ernst nehmen, dass er nach ihrer Botschaft sucht und fragt. Wer die eigenen Träume für irrelevant hält, wird kaum ein hilfreicher Traumdeuter sein können.

Es ist ein hilfreicher Hinweis: Er schrieb den Traum auf . Es ist gut, Träume aufzuschreiben. Also nicht erst nachdenken und zu deuten versuchen, sondern erst aufschreiben, auch wenn es wie wirres Zeug erscheint. Damit sie sich nicht verflüchtigen, diese Traumbilder. Um sich die eigenen Träume zugänglich zu machen und zu erhalten, muss man sich ihrer entäußern, sie zu Papier bringen oder erzählen.

2, Daniel, sah ein Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde unter dem Himmel wühlten das große Meer auf. 3 Und vier große Tiere stiegen herauf aus dem Meer, ein jedes anders als das andere.

Es sind archetypische Bilder aus den Tiefen der Seele, die hier hinein-spielen. Das Meer ist der Ort, aus dem das Leben kommt. Das Meer ist aber auch der Ort, in dem die Ungeheuer wohnen. Es ist Lebensort und Gefahrenort zugleich. Und es ist nicht so eintönig, wie der Blick auf die glatte Wasserfläche einen glauben machen will. Im Meer ist mehr Vielfalt zu Hause als man denkt. Vier große Tiere stiegen herauf aus dem Meer, – was für ein unheimliches Bild!

             „Es sind seltsame und fremde, um nicht zu sagen phantastische Gestalten. Wir haben bisher keine solchen gesehen und meinten, wenn wir von früheren Geschlechtern lasen, die davon redeten, es seien ersonnene „Märchen und Sagen des Altertums“ oder es handele sich um längst überholten mittelalterlichen Aberglauben. Wir sehen heute Gestalten, die nicht in unserer Vorstellungswelt existierten, und die uns wahrlich nicht weniger fremd vorkommen als Löwe und Parder mit Flügeln oder Tiergebilde mit zehn Hörnern.“ (W. Lüthi, Die kommende Kirche. Die Botschaft des Propheten Daniel, 1937, S. 87)

4 Das erste war wie ein Löwe und hatte Flügel wie ein Adler. Ich sah, wie ihm die Flügel genommen wurden. Und es wurde von der Erde aufgehoben und auf zwei Füße gestellt wie ein Mensch, und es wurde ihm ein menschliches Herz gegeben.

            Löwe und Adler – der König der Tiere und der König der Lüfte. Kraft und Anmut in einem Tier gepaart.  Wichtig ist die Formulierung:  es wurde von der Erde aufgehoben. Mit diesem Tier geschieht etwas. Passiv-Formulierungen sind oft in der Bibel das Signal: Es ist Gott, der hier am Werk ist. Es geschieht etwas an einem Menschen oder hier an einem Tier.

Meine Frage: Was heißt das, dass diesem königlichen Tier-Gebilde ein menschliches Herz gegeben wird? Ist das gut – es wird human? Oder ist das eher ein Zeichen von Schwäche: Es ist ja nur menschlich? Wenn die Tiere im Traum des Daniel für Welt-Reiche stehen, dann sage ich: Ich wünsche mir, dass auch ein sehr kraftvolles Reich ein menschliches Herz hat. „Einer in Menschengestalt“ weiterlesen

Schwachstelle: Glauben

Daniel 6, 1 – 29

 1Und Darius aus Medien übernahm das Reich, als er zweiundsechzig Jahre alt war. 2 Und es gefiel Darius, über das ganze Königreich hundertundzwanzig Statthalter zu setzen. 3 Über sie setzte er drei Fürsten, von denen einer Daniel war. Ihnen sollten die Statthalter Rechenschaft ablegen, damit der König der Mühe enthoben wäre. 4 Daniel aber übertraf alle Fürsten und Statthalter, denn es war ein überragender Geist in ihm. Darum dachte der König daran, ihn über das ganze Königreich zu setzen.

            Die Reihe der Könige setzt sich fort. Auf Nebukadnezar und Belsazar folgt Darius. Das entspricht dem geschichtlichen Wechsel von den Chaldäern zu den Persern. Darius I. hat  521 die Macht übernommen. Ob allerdings die Daniel-Erzählung nur den Ablauf der Geschichte abbilden will, ist zumindest frag-würdig. Man könnte ja auch so denken: Könige kommen und gehen. Daniel bleibt.

Es ist schön zu sehen, wie hier Verwaltung begründet wird. Damit der König der Mühe enthoben wäre. Das könnte seinem Alter geschuldet sein. Aber auch das ist ein möglicher Gedanke: Es gibt hohe Verwaltungsbeamte, damit der Entscheidungsträger nicht mit Kleinkram belastet wird. Ähnlich begründet ja auch schon Moses Schwiegervater seine Organisationsvorschläge an den Schwiegersohn.

„Sein Schwiegervater sprach zu ihm: Es ist nicht gut, wie du das tust. Du machst dich zu müde, dazu auch das Volk, das mit dir ist. Das Geschäft ist dir zu schwer; du kannst es allein nicht ausrichten. Aber gehorche meiner Stimme; ich will dir raten und Gott wird mit dir sein. Vertritt du das Volk vor Gott und bringe ihre Anliegen vor Gott und tu ihnen die Satzungen und Weisungen kund, dass du sie lehrst den Weg, auf dem sie wandeln, und die Werke, die sie tun sollen. Sieh dich aber unter dem ganzen Volk um nach redlichen Leuten, die Gott fürchten, wahrhaftig sind und dem ungerechten Gewinn Feind. Die setze über sie als Oberste über tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn, dass sie das Volk allezeit richten. Nur wenn es eine größere Sache ist, sollen sie diese vor dich bringen, alle geringeren Sachen aber sollen sie selber richten. So mach dir’s leichter und lass sie mit dir tragen. Wirst du das tun, so kannst du ausrichten, was dir Gott gebietet, und dies ganze Volk kann mit Frieden an seinen Ort kommen.“ (2. Mose 18,17-23)

Wenn dann noch einer wie Daniel,  in dem ein überragender Geist ist, die Oberaufsicht führt, ist König-sein ein wunderbare Angelegenheit. Diese Beschreibung des Daniel wiederholt eine Grundüberzeugung des ganzen Buches. Es ist Gottes Geist, der Daniel gegeben ist und nicht seine überragende menschliche Fähigkeit. Daniel lebt aus der Gabe Gottes. Aber ein Regent, der sich seine Dienste sichert, tut seinem Land wohl.

5 Da trachteten die Fürsten und Statthalter danach, an Daniel etwas zu finden, das gegen das Königreich gerichtet wäre. Aber sie konnten keinen Grund zur Anklage und kein Vergehen finden; denn er war treu, sodass man keine Schuld und kein Vergehen bei ihm finden konnte. 6 Da sprachen die Männer: Wir werden keinen Grund zur Anklage gegen Daniel finden, es sei denn wegen seiner Gottesverehrung.

Wo so viel Anerkennung ist, ist der Neid nicht weit. Überragender Geist ruft den Kleingeist auf den Plan. Erst recht bei einem, der mit Migrationshintergrund unterwegs ist – so sieht Daniels Herkunft ja für die Einheimischen in Babylon aus. Er gehört doch zu denen, die billige Arbeitskräfte sein sollten, und jetzt steigt er höher als sie alle.

Es beginnt das Suchen nach Schwachstellen. Die Stunde der investigativen Journalisten, Privat-Detektive und Zuträger schlägt. Aber sie alle suchen vergebens. Sie können nichts finden, auf das sich eine Anklage aufbauen lässt. So sieht es ja auch später aus, diesmal in Jerusalem. „Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten falsches Zeugnis gegen Jesus, dass sie ihn töteten. Und obwohl viele falsche Zeugen herzutraten, fanden sie doch nichts.“ (Matthäus 26, 59-60) Es ist hart, als Ankläger mit leeren Händen dazustehen. Bleibt ihnen – wie den Hohenpriestern im Fall Jesus – nur ein Weg: Sie müssen ihn da packen, wo allein er zu packen ist – an seinem Glauben.   „Schwachstelle: Glauben“ weiterlesen

Das Gelage – mene tekel

Daniel 5, 1 – 30

 1 König Belsazar machte ein herrliches Mahl für seine tausend Mächtigen und soff sich voll mit ihnen. 2 Und als er betrunken war, ließ er die goldenen und silbernen Gefäße herbringen, die sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel zu Jerusalem weggenommen hatte, damit der König mit seinen Mächtigen, mit seinen Frauen und mit seinen Nebenfrauen daraus tränke. 3 Da wurden die goldenen und silbernen Gefäße herbeigebracht, die aus dem Tempel, aus dem Hause Gottes zu Jerusalem, weggenommen worden waren; und der König, seine Mächtigen, seine Frauen und Nebenfrauen tranken daraus.

So drastisch übersetzt Luther – und trifft es genau: Belsazar soff sich voll mit ihnen. Es ist das Gelage der Highsociety, am Swimmingpool, als Bunga Bunga-Party. Das Gelage, das keine Scham und keine Grenze kennt. Ein orgiastisches Fest. „Wir tun an diesem Königshof einen Blick in die Welt, wie sie zu sein pflegt in ihrem letzten Stadium vor dem Untergang. Das Böse hat sich in Riesenhafte ausgewachsen. Jede Schranke ist weg. Die Sünde ist bis dorthin ausgereift, wo die Reife in Fäulnis übergeht.“ (W. Lüthi, Die kommende Kirche. Die Botschaft des Propheten Daniel, 1937, S. 62)

Es ist ein Fest, auf dem ein geschmackloser Höhepunkt für die, die längst jeden Geschmacksnerv betäubt haben in irrer Zügellosigkeit ,den nächsten jagen soll. Darum kommt jetzt die königliche Anordnung: Die Gefäße aus dem Tempel der Juden herbei! In irgendeiner Asservaten-Kammer werden sie aufgehoben, zur Schau gestellt. Und jetzt sollen sie die Lust steigern. Das ist doch einmal ein Kick: Trinken aus heiligen Kelchen, auch wenn man längst nichts mehr schmeckt und einem schon lange nichts mehr heilig ist.

Was tut man nicht alles, um sein Fest zu verschönern, um den Jubel der Mitfeiernden zu steigern. Belsazar ist ein früher Bruder im Geist des Herodes. „Als aber Herodes seinen Geburtstag beging, da tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen. Das gefiel dem Herodes gut. Darum versprach er ihr mit einem Eid, er wolle ihr geben, was sie fordern würde. Und wie sie zuvor von ihrer Mutter angestiftet war, sprach sie: Gib mir hier auf einer Schale das Haupt Johannes des Täufers! Und der König wurde traurig; doch wegen des Eides und derer, die mit ihm zu Tisch saßen, befahl er, es ihr zu geben, und schickte hin und ließ Johannes im Gefängnis enthaupten. Und sein Haupt wurde hereingetragen auf einer Schale und dem Mädchen gegeben; und sie brachte es ihrer Mutter.“ (Matthäus 14, 6 – 11) Aber Belsazar ist bescheidener – er begnügt sich mit den heiligen Gefäßen.

 4 Und als sie so tranken, lobten sie die goldenen, silbernen, ehernen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter.

Wo die Stimmung steigt und der Wein die Zunge löst, da bleiben die Sprüche nicht aus. Sie fangen an, ihre Götter zu loben. Sie loben die, für die die Propheten Israels nur Spott und Hohn übrig haben. Und indem sie ihre Götter aus Holz und Eisen, Silber und Gold loben, schmähen sie den wahren Gott, den Gott Israels.  „In God we trust“ steht auf den Dollar-Noten. Und ist doch wohl auch so eine Gotteslästerung in der Gefolgschaft des Belsazar. Es ist der Gott aus Papier,  angebetet, allabendlich in den Meldungen von der Börse. „Das Gelage – mene tekel“ weiterlesen

Im Feuer nicht allein

Daniel 3, 1 – 30

1 Der König Nebukadnezar ließ ein goldenes Bild machen sechzig Ellen hoch und sechs Ellen breit und ließ es aufrichten in der Ebene Dura im Lande Babel. 2 Und der König Nebukadnezar sandte nach den Fürsten, Würdenträgern, Statthaltern, Richtern, Schatzmeistern, Räten, Amtleuten und allen Mächtigen im Lande, dass sie zusammenkommen sollten, um das Bild zu weihen, das der König Nebukadnezar hatte aufrichten lassen. 3 Da kamen zusammen die Fürsten, Würdenträger, Statthalter, Richter, Schatzmeister, Räte, Amtleute und alle Mächtigen im Lande, um das Bild zu weihen, das der König Nebukadnezar hatte aufrichten lassen.

             Es ist wie bei einer Vernissage. Da muss man einfach dabei sein. Das ist das Ereignis des Jahres. Sehen und Gesehen werden. Der König ruft und alle, alle kommen. Anders als in der Erzählung Jesu, wo es Entschuldigungen „hagelt“: „Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen.“ (Lukas 14, 18-20) Einem König, erst recht einem Großkönig sagt man nicht einfach ab. Geradezu genüsslich zählt unser Erzähler gleich zweimal auf, wer alles geladen ist und auch tatsächlich erscheint. Eine perfekte Gästeliste. Sie gibt dem kolossalen Stand-Bild die richtige Weihe.

 Und sie mussten sich vor dem Bild aufstellen, das Nebukadnezar hatte aufrichten lassen. 4 Und der Herold rief laut: Es wird euch befohlen, ihr Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen: 5 Wenn ihr hören werdet den Schall der Posaunen, Trompeten, Harfen, Zithern, Flöten, Lauten und aller andern Instrumente, dann sollt ihr niederfallen und das goldene Bild anbeten, das der König Nebukadnezar hat aufrichten lassen. 6 Wer aber dann nicht niederfällt und anbetet, der soll sofort in den glühenden Ofen geworfen werden. 7 Als sie nun hörten den Schall der Posaunen, Trompeten, Harfen, Zithern, Flöten und aller andern Instrumente, fielen nieder alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen und beteten an das goldene Bild, das der König Nebukadnezar hatte aufrichten lassen.

             Zu einer Weihe gehört Andacht und Unterwerfung. Nebukadnezar nützt den Anlass, um die Unterwürfigkeit seiner Leute, seiner Führungsleute zu prüfen. Es ist ja ein probates Mittel, das bis heute gerne verwendet wird: Man macht eine Veranstaltung mit allen, die zur „Firma“ gehören und  in ihr eine Art „Zeichenhandlung“, um die Treue zu prüfen. Das kann auch das Bade-Bordell in Budapest sein. Wer sich da ausschließt, der ist verdächtig, weil er seinen eigenen Kopf hat.

Der Befehl dann sollt ihr niederfallen und das goldene Bild anbeten lässt darauf schließen,  dass es nicht einfach nur ein Kunstwerk war, das da errichtet wurde. Es mag ein Totem-Pfahl sein oder ein Bild eines babylonischen Gottes. Es könnte auch ein Bild des Großkönigs sein. Jedenfalls, es wird mehr als nur Unterwerfung gefordert – Anbetung, Proskynese. Wenn alle gemeinsam anbeten, dann ist das ein Schritt nach vorne – „Ein Reich, Ein Volk, Ein Führer.“ die gemeinsame Religion als Bindemittel der Völker – das ist ein uralter und gleichzeitig höchst neuzeitlicher Gedanke.  „Im Feuer nicht allein“ weiterlesen

Gottes Prophet – ein Aufklärer

Daniel 2, 27 – 49

27 Daniel fing an vor dem König und sprach: Das Geheimnis, nach dem der König fragt, vermögen die Weisen, Gelehrten, Zeichendeuter und Wahrsager dem König nicht zu sagen. 28 Aber es ist ein Gott im Himmel, der kann Geheimnisse offenbaren. Der hat dem König Nebukadnezar kundgetan, was in künftigen Zeiten geschehen soll.

             Das ist die wichtigste Klarstellung und sie erfolgt gleich zu Beginn des Redens Daniels. Es gibt Dinge, die wir Menschen nicht wissen können Es gibt eine Grenze für das Wissen und Begreifen der Gelehrten. Es gibt Geheimnisse, die sich Gott vorbehalten hat.  τὸ μυστήριον  steht für diese Grenze. Sie erschließt sich nicht anders als so, dass Gott sie durchbricht. Und alles, was Daniel sagen wird, verdankt er nicht der eigenen Klugheit, sondern der Gabe Gottes.

Auch das sagt Daniel: er hat seine Offenbarung nicht empfangen, damit er, Daniel, gut dasteht, sondern es geht um den König. Nebukadnezar soll einen Einblick erhalten in das, was geschehen wird. Anders als durch das Aufdecken Gottes gibt es keine Einsicht in die Zukunft – das ist eine harte Botschaft für alle, die sich Zukunftsforscher, Trendforscher, Futurologe nennen. Ihre Einsichten sind nicht als Verlängerungen der Vergangenheit nach vorne. Aber wirklichen Einblick in die Zukunft der Welt erlangt man so nicht.

 Mit deinem Traum und deinen Gesichten, als du schliefst, verhielt es sich so: 29 Du, König, dachtest auf deinem Bett, was dereinst geschehen würde; und der, der Geheimnisse offenbart, hat dir kundgetan, was geschehen wird. 30 Mir aber ist dies Geheimnis offenbart worden, nicht als wäre meine Weisheit größer als die Weisheit aller, die da leben, sondern damit dem König die Deutung kundwürde und du deines Herzens Gedanken erführest.

            Es folgt jetzt gewissermaßen ein zweites Vorwort Daniels, bevor der Traum selbst und seine Deutung zur Sprache kommen. Es ist, wenn man so will, eine Traum-Theorie. Die Gedanken des Königs waren – so Daniel – schon vor seinem Traum auf die Zukunft ausgerichtet. Er machte sich Gedanken über das, was wohl werden würde. Das waren nicht Strategie-Überlegungen für die Festigung der Macht, sondern offenkundig – so wird es sich ja auch zeigen – grundsätzlichere Überlegungen.  Daran knüpft der Traum an, den ihm der, der Geheimnisse offenbart, geschickt hat. Der Traum ist die Fortführung der Wach-Gedanken des Nebukadnezar.

Das deckt sich ja mit Erfahrungen ungezählter Menschen. Immer wieder erleben sie, wie eine Frage, ein Problem, das sie den Tag über umtreibt, in der Nacht in den Träumen auch wieder zur „Sprache“ kommt.  Was uns beschäftigt, womit wir uns herumschlagen, das meldet sich oft in den schweigenden Stunden der Nacht zurück – und wird in ein neues Licht gerückt. Daniel sagt, dass sich so Gott zu Wort meldet bei uns. Und zwar als der, der Klarheit in eine Sache bringt. Gott ist nicht der, der das Geheimnis immer tiefer und dunkler werden lässt. Gott ist kein Mysterien-Gott. Er ist vielmehr der, der Klarheit liebt, der Licht ins Dunkel bringt. Wenn man so will: Daniels Gott ist ein Aufklärer und kein Dunkelgott.    „Gottes Prophet – ein Aufklärer“ weiterlesen

Traum-Plagen

Daniel 2, 1 – 26

  Im zweiten Jahr seiner Herrschaft hatte Nebukadnezar einen Traum, über den er so erschrak, dass er aufwachte.

            Das gibt es wirklich, dass einer träumt und über seinem Traum so erschrickt, dass er aufwacht. Das ist kein Königsprivileg und auch nicht auf frühere Zeiten begrenzt. Es kann tief verunsichern, was man träumt. Es kann unruhig machen, weil man spürt: dass ist mehr als der übliche Wirrwarr im Schlaf. Aber was es ist, das weiß man nicht.

„Wenn Tyrannen böse Träume haben, dann ist Gott am Werk. Als Joseph im ägyptischen Kerker schmachtete, da befreite ihn Gott durch einen beunruhigenden Traum des Pharao.“ (W. Lüthi, Die kommende Kirche. Die Botschaft des Propheten Daniel, 1937, S. 23) Es ist Teil der Weltsicht der Bibel, dass Gott sich in Träumen zu Wort meldet. Der Pharao in Ägypten, Joseph, die Frau des Pilatus, Paulus – sie alle werden von Träumen geleitet.

Auch das lässt sich noch sagen; Manchmal  fragt man sich: Ist es Traum oder Wirklichkeit, was geschieht? Bin ich in einem böse Albtraum unterwegs? Der Blick auf die jüngere Vergangenheit, erst recht die Erinnerung kommt manchem ja wie ein böser Traum vor – Blutvergießen, Katastrophen, Exzesse von Gewalt – und man wünscht sich, aufwachen zu können und sagen zu dürfen: es ist ja nur ein Traum. Aber es waren keine bösen Träume – die Schützengräben in Stalingrad, am Monte Cassino und der Normandie, die brennenden Städte wie Canterbury, Dresden, Kassel, Darmstadt, die Vernichtungslager von Auschwitz über Struthof bis hin zu Treblinka und Buchenwald. Und das Erwachen war nur ein Erwachen in eine Realität hinein, die jeden Albtraum Lügen strafte, weil sie noch viel schlimmer war.

So viel ist klar: es geht hier nicht um ein paar Traumfetzen, die keine Bedeutung haben. Wenn Leute wie Nebukadnezar schlecht schlafen und schlecht träumen und zur Unzeit aufwachen, wird es gefährlich für ihre ganze Umgebung.

2 Und der König ließ alle Zeichendeuter und Weisen und Zauberer und Wahrsager zusammenrufen, dass sie ihm seinen Traum sagen sollten. Und sie kamen und traten vor den König.3 Und der König sprach zu ihnen: Ich hab einen Traum gehabt; der hat mich erschreckt, und ich wollte gerne wissen, was es mit dem Traum gewesen ist.

             Könige haben ein Privileg. Nebukadnezar kann das ganze große Heer seiner Fachleute und Spezialisten in Gang setzen. Er bestellt sie alle ein. Einzige Aufgabe: den Traum des Königs rekonstruieren und dann deuten. Dabei geht der König schon weit, wenn er wissen lässt: Ich hab einen Traum gehabt; der hat mich erschreckt, Ein König hat doch auch im Traum stark zu sein und keine bösen Träume zu haben. Was ist das für ein Signal, dass der König so träumt? Ein erstes Zeichen von Schwäche? „Traum-Plagen“ weiterlesen