Alles vorbei?

Lukas 23, 50 – 56

 50 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Josef, ein Ratsherr, der war ein guter, frommer Mann 51 und hatte ihren Rat und ihr Handeln nicht gebilligt. Er war aus Arimathäa, einer Stadt der Juden, und wartete auf das Reich Gottes.

 Achtung! sagt Lukas. Es kommt Ungewöhnliches. Und führt jetzt einen Abweichler aus dem Hohen Rat in die Geschichte ein. Josef von Arimathia, einer Stadt in Judäa, war nicht einverstanden mit dem ganzen Verfahren gegen Jesus. Er hatte es nicht aufhalten können. Aber auch wenn er überstimmt – oder muss man sagen: über-schrien wurde – das änderte nichts an seiner inneren Haltung. Er wartete auf das Reich Gottes. Und was er jetzt tut, tut er aus dieser Haltung eines erwartungsvollen Menschen heraus.

52 Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu 53 und nahm ihn ab, wickelte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch nie jemand gelegen hatte. 54 Und es war Rüsttag und der Sabbat brach an.

 Es ist Abendzeit, am Ende eines langen Tages. Josef erbittet den Leib Jesu. Er kann ihn nicht einfach nehmen. Das römische Recht sieht grausam genug vor, das Gekreuzigte am Kreuz verrotten. Darum muss Josef eine Ausnahme erwirken. Das geht nur durch den Gang zu Pilatus. Ist es die Prominenz des Ratsherrn – er erreicht sein Ziel ohne jede Verzögerung. Die anderen Evangelisten wissen hier viel mehr zu erzählen, vom Erstaunen des Pilatus, von sorgfältiger Nachforschung und Kontrolle. Hier nichts davon. Die Bitte wird wortlos erfüllt.

 Jesus findet seinen Ruheort in einem bislang unbenutzten Grab. So ist er geschützt vor Entehrung und Schande, doppelt geschützt durch das Leinentuch und das Grab. Wenigstens durch sein Grab wird er geehrt, der im Tod so entehrt werden sollte. Josef von Arimathia erfüllt hier die Pflicht, die eigentlich den Angehörigen und den Freunden oblegen hätte. So tritt er heraus aus der anonymen Menge der Jesus-Sympathisanten und wird zu einem, der sich zu Jesus stellt.

 55 Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm gekommen waren aus Galiläa, und beschauten das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde. 56 Sie kehrten aber um und bereiteten wohlriechende Öle und Salben. Und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gesetz.

 Wieder sind es die Frauen, die mit auf dem Plan sind und wieder fehlen die Männer. Durch den ganzen Bericht seit Beginn des Prozesses sind die Jünger von der Bildfläche verschwunden. Das wird so, weil es so wenig schmeichelhaft für die Männer ist, nicht ohne historischen Anhalt so erzählt werden.

 Die Frauen aber sehen den Vorgang. Sie sehen die Kreuzabnahme, sehen, wie der Leichnam versorgt wird und sehen, wo er hingelegt wird. Es ist ein genaues Hinsehen, nicht nur ein flüchtiger, verhuschter Blick. Es ist der Blick der Trauer,die sich nicht lösen kann. Und dann. Als es nichts mehr zu sehen gibt, fangen sie an, sich vorzubereiten, auf den letzten Dienst, den sie Jesus tun wollen. Sie wollen den Leichnam salben.

 Aber vorher ist Sabbat. Stille. Einhalten. Es geschieht nichts. Was sollte auch nach dem Tod am Kreuz noch geschehen? Mit dem Tod ist doch alles vorbei.

Jesus                                                                                                                                    auf Deinem Weg in den Tod treten manche Leute aus dem Dunkel                                    aus der Anonymität                                                                                                                 Simon von Kyrene wird zum Kreuzträger für Dich                                                            Josef von Arimathia erbittet Deinen Leib                                                                             um Deine Ehre wenigstens im Tod zu wahren                                                                 Sein Grab stellt er als Deine Ruhestätte bereit

Kleinigkeiten                                                                                                                           Nichts                                                                                                                                   was den Lauf der Dinge ändert                                                                                          Und doch Zeichen der Nähe zu Dir                                                                                      Zeichen der Liebe zu Dir

Gib Du auch uns den Mut                                                                                                     zu solchen Zeichen unserer Nähe zu Dir                                                                             unserer Liebe zu Dir. Amen