Kommen – Hören – Tun

Lukas 6, 47 – 49

 47 Wer zu mir kommt und hört meine Rede und tut sie – ich will euch zeigen, wem er gleicht.48 Er gleicht einem Menschen, der ein Haus baute und grub tief und legte den Grund auf Fels. Als aber eine Wasserflut kam, da riss der Strom an dem Haus und konnte es nicht bewegen; denn es war gut gebaut. 49 Wer aber hört und nicht tut, der gleicht einem Menschen, der ein Haus baute auf die Erde, ohne Grund zu legen; und der Strom riss an ihm und es fiel gleich zusammen und sein Einsturz war groß.

Kommen – hören – tun. Das ist der Dreischritt, der am Ende der Feldrede steht. Dabei kann vor allem der erste Schritt leicht überlesen werden. „Wer zu mir kommt“ – damit fängt alles an. De Beziehung zu Jesus, bei ihm sein, bei ihm bleiben – das ist der Schlüssel für das Hören und das Tun. Später wird es in der Apostelgeschichte bei der Suche nach dem Ersatz für Judas ein Kriterium sein: „So muss nun einer von diesen Männern, die bei uns gewesen sind die ganze Zeit über, als der Herr Jesus unter uns ein- und ausgegangen ist – von der Taufe des Johannes an bis zu dem Tag, an dem er von uns genommen wurde -, mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden.“ (1, 21 – 22) Mit Jesus durch das Land gehen, seine Wege teilen, sein Handeln sehen, in seiner Nähe sein – das ist der erste Schritt. Im Johannes-Evangelium wird das „Bleiben“ ein Hauptwort des Glaubens.

Zugleich wird her eine Differenz zwischen der jungen Christengemeinde und dem Judentum markiert. Im Judentum geht es um das Kommen zum Tempel, in die Unterweisung des Gesetzes. Hier setzt sich Jesus an die erste Stelle. Wer zu ihm kommt, der ist an der Stelle, von der aus der Weg durch das Leben seinen Ausgang nehmen kann.

Wer mit Jesus unterwegs ist, der kann hören. Und er bekommt eine Menge zu hören. Hier die Worte der Feldrede, später die Gleichnisse. Er hört, was Jesu zu Menschen sagt. Er hört das Machtwort, das wirkt, was es will. Gemeint ist aber in diese Versen mehr als nur ein akustisches Hören. Es geht um ein Hören, wie Maria hört. „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ (Lukas 2, 19) In diesem Hören wird das eigene Herz dem Wort Jesu geöffnet. Sein Wort kommt dorthin, wo – nach biblischer Anthropologie – die Willenskräfte eines Menschen verankert sind, wo die Lebensentscheidungen fallen. Es kommt, im Bild vom Haus gesprochen, an die Fundamente des Lebens.

Nach dem Hören kommt das Handeln. Ob man sagen kann: Darauf zielt alles hin? Ob das das Ziel der Feldrede ist, Menschen zum Handeln zu bewegen? Jedenfalls ist das Handeln der Zielpunkt dieses Gleichnisses: Die Worte Jesu hören und sie tun – das gibt dem Leben festen Grund. Sie nicht tun, macht das Lebe hinfällig.

Dabei hilft der Blick auf die gesamte Feldrede. Es geh um ein Tun in den Spuren des erbarmenden Herrn. Es geht um ein Tun, das aus dem üblichen Echo-Verhalten herausfindet, das in der Freiheit Gottes besteht, das in die Freiheit führt. Vergeben, ermutigen und aufrichten, Solidarität üben, dem Widerspruch standhalten, Feindschaft nicht mit Feindschaft beantworten. Es geht um ein Tun, das aus der Liebe kommt und in der Liebe sein Maß hat. Es geht um ein Tun in der Spur Jesu.

„Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst.“ (Jakobus 1, 22) Der gern ein wenig geschmähte Jakobus-Brief scheint mir an dieser Stelle genau an das Wort Jesu anzuknüpfen. Wer nur hört, der macht sich etwas vor. Christsein ist Hören und Handeln. Mir hat sich ein Satz Steffenskys tief eingeprägt – sinngemäß geht er so: „Wer lange nicht tut, was er weiß, weiß irgendwann nicht mehr, was er tut.“ Der Verzicht auf das Tun dessen, was ich erkannt habe, lässt mich irgendwann nicht mehr erkennen, was zu tn ist. Das ist eine Art Blindheit, die auch vor Christenmenschen nicht Halt macht.

Es ist wohl eine der großen Versuchungen, sich zufrieden zu geben mit Worten, die der Seele wohltun, sich zufrieden zu geben mit Überzeugungen, die wir über Gott haben. Es tut der Seele gut, in Gott zu ruhen. Es ist für mich unglaublich wichtig, dass ich durch den Glauben auch von einem Handlungszwang entlastet bin. Ich muss mich nicht durch mein Tun selbst gut machen. Und gleichzeitig ist es wichtig, diese Worte Jesu zu hören, damit mein Glauben nicht in der Innerlichkeit versandet und das Tun vergisst.

Wir wolln uns gerne wagen, in unsern Tagen  der Ruhe abzusagen, die’s Tun vergisst.                                                                                                                               Wir wolln nach Arbeit fragen, wo welche ist,
nicht an dem Amt verzagen, uns fröhlich plagen
und unsre Steine tragen aufs Baugerüst.                           Nikolaus Graf Zinzendorf

Vielleicht ist es ja so, dass es unterschiedliche Versuchungen gibt – die für Aktivisten und die für Quietisten. Womöglich gibt es auch die Versuchungen für Ruheständler. Jesus wehrt hier denen, die dazu neigen, das Tun zu vergessen. Er wehrt ihnen um ihrer selbst willen! Damit sie sich nicht selbst betrügen. Damit sie das Gute nicht versäumen, das Gott durch sie tun will. Oder noch einmal anders herum: Indem wir nichts tun, verfehlen wir unsere Bestimmung – so sieht es der Autor des Epheser-Briefes: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ (Epheser 2, 10).

Ganz kurz,lapidar und fast lebensweisheitlich, wie auch Jesus in seinem Hören auf den Vater und die Schriften Israels denkt, bringt es Erich Kästner auf den Punkt: „Es gibt nichts Gutes außer man tut es.“

Herr Jesus                                                                                                                                hilf mir                                                                                                                                  dass ich immer neu zu Dir komme                                                                                          und bei Dir bleibe

Hilf mir                                                                                                                                dass ich Dein Wort höre                                                                                                           es tief in mich aufnehme                                                                                                   mich trösten lasse und ermutigen                                                                                      und zurecht bringen

Und dann hilf mir                                                                                                                      dass ich tue was Du willst                                                                                                       dass ich Liebe übe                                                                                                                der Feindschaft widerstehe                                                                                              Rückenwind gebe                                                                                                                  und bei denen aushalte                                                                                                        die mich brauchen. Amen