Ein bunter Haufen

Lukas 6, 12 – 16

 12 Es begab sich aber zu der Zeit, dass er auf einen Berg ging, um zu beten; und er blieb die Nacht über im Gebet zu Gott. 13 Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger und erwählte zwölf von ihnen, die er auch Apostel nannte:

Jesus trifft seine Entscheidungen aus dem Gebet. Er ordnet seinen Weg aus dem Gebet. Er hält sein Leben betend dem Vater hin. Das ist das Zentrale – es geht dem betenden Jesus immer zuerst und zutiefst um die Beziehung zum Vater. Nur so bleibt ja auch der Wille Gottes kein fremdes Gesetz. In der unauflöslichen, beständigen Beziehung ist die Übereinstimmung des Willens nichts, was gesucht werden muss – sie ergibt sich aus der Einheit des Sohnes mit dem Vater. Dann erst kann ich den zweiten Satz sagen: Er sucht im nächtlichen Gebet die Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, indem er sein Eins-Sein mit dem Vater lebt.

Die Wahl seiner Jünger trifft Jesus aus einer Nacht des Gebetes heraus. Im Matthäus-Evangelium heißt es vor (!) der Berufung der Jünger: „Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende. (9,38). Das wird er selbst getan haben – so die nonverbale Botschaft des Lukas. Es wird nicht gesagt, was der Inhalt des Betens Jesu ist. Das muss auch nicht sein. Es reicht, dass ganz deutlich wird: Eine Nacht auf dem Berg, dem Ort der Gottesbegegnung, und eben eine Nacht des Gebetes geht seiner Wahl voraus.14 Simon, den er auch Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder, Jakobus und Johannes; Philippus und Bartholomäus; 15 Matthäus und Thomas; Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Simon, genannt der Zelot; 16 Judas, den Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.

Vielleicht darf man sagen: Die Buntheit dieser Apostel-Schar ist ohne dieses vorhergehende Gebet kaum vorstellbar. Die Spannungen, die in dieser Wahl so heterogener Leute liegen, wird man bei einer nur vernünftigen Wahlentscheidung kaum auf sich nehmen. In diesem buntem Jünger-Haufen waren manche einander eine Zumutung, schwer erträglich. Sich selbst hätten sie auch wohl kaum so zusammen geführt. Was sie zusammenhält, ist gerade nicht die Homogenität ihrer Gruppe oder ihres Interesses. Die Wahl Jesu, die Beziehung zu Jesus hält sie beieinander. Er hat sie erwählt. Er hat für jeden von ihnen das Bild: Mit dir habe ich meinen Weg vor.

 Ob das nicht eine der großen Herausforderungen des Lebens ist, die letztlich nur betend zu bewältigen ist? Lernen, mit Leuten respektvoll, vertrauensvoll umzugehen, die ich gerne einfach ignoriert hätte. Lernen auf Leute zu hören, die ich früher mit einem Etikett versehen abgelegt hätte. Lernen, mir Andere zur Zumutung werden zu lassen. Das ist nicht leicht, weil es das Umgehen mit Gegensätzen einschließt, weil es die Sicherheit verleihenden Urteile aus der Hand nimmt. Wer immerzu Urteile fällt, ist irgendwann allein. Statt dessen lernen, Andere zu achten und auf die Anderen zu achten. Lernen, ihre Signale wahrzunehmen. Lernen, behutsam zu sein und nicht so schnell, leicht fertig. Lernen, auf die Wahrheit der anderen zu warten.

Jesus                                                                                                                                     Du rufst welche Du willst                                                                                                      Du rufst Menschen                                                                                                                 die sich nicht so leicht zusammengefunden hätten                                                             extrem verschieden in ihren Werten und Denkweisen                                                        und willst sie als Deine Leute

Herr Jesus                                                                                                                          wie schnell gehe ich auf Abstand von Menschen                                                                  weil mir ihre Gedanken nicht passen                                                                                   ihre Sprache fremd ist                                                                                                          ihre Art mich in Frage stellt                                                                                                 und mir meine Grenzen zeigt

Ich bitte Dich um ein weites Herz                                                                                       das aufmerksame Wahrnehmen                                                                                              der Wahrheit der Anderen                                                                                                    die Offenheit                                                                                                                            von ihnen zu lernen                                                                                                              den Mut                                                                                                                                 die eigene Sicht in Frage stellen zu lassen                                                                         und auch zu ihr zu stehen

Wie Du Dir Deine Jünger erbetet hast                                                                                 so erbitte Dir auch mich vom Vater                                                                                    damit ich Dir folge                                                                                                                 wenn Du mich auf Deinen Weg rufst. Amen