Wissen ohne Verheißung

Lukas 4, 38 – 44

38 Und er machte sich auf aus der Synagoge und kam in Simons Haus. Und Simons Schwiegermutter hatte hohes Fieber und sie baten ihn für sie. 39 Und er trat zu ihr und gebot dem Fieber und es verließ sie. Und sogleich stand sie auf und diente ihnen.

Von der Synagoge in Kapernaum ist es nicht weit bis zum Haus Simons. Warum Jesus in sein Haus geht, wird nicht begründet. Ob Simon in der Synagoge war, miterlebt hat, was passierte und ihn eingeladen hat? Alles Spekulation. Auf den Exorzismus in der Synagoge folgt hier die Heilung im Haus. Dort war es ein Mann, hier eine Frau. Dort wird Jesus durch die Dämonen provoziert, hier wird er von Leuten um Hilfe gebeten. Und wieder ist es „nur“ sein Wort. Er beugt sich zu ihr und sagt das Wort, das ihr hilft. Er gebietet dem Fieber, so wie er später dem Sturm gebieten wird. Das Fieber „gehorcht“ und die Frau kommt auf die Beine. Und sie kann wieder tun, was sie immer getan hat: Sie dient den Männern.

40 Und als die Sonne untergegangen war, brachten alle ihre Kranken mit mancherlei Leiden zu ihm. Und er legte die Hände auf einen jeden und machte sie gesund. 41 Von vielen fuhren auch die bösen Geister aus und schrien: Du bist der Sohn Gottes! Und er bedrohte sie und ließ sie nicht reden; denn sie wussten, dass er der Christus war.

Aus der Einzelszene entwickelt sich eine Massenbewegung. Alle machen sich auf den Weg zu dem Heiler. Alle bringen sie ihre Kranken. Und er heilt – nein, nicht alle, sondern jeden einzelnen. Es ist ein winziger Hinweis: auch in einer großen Menschenmenge sind alle einzelne und Jesus begegnet ihnen nicht pauschal, sondern eben jedem einzelnen. Und wieder differenziert Lukas: Unter den vielen, unter denen Kranke sind, gibt es auch die anderen, die nicht mehr Herr ihrer selbst sind, von bösen Geistern gebunden, gefangen, besessen.

Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der Evangelien, auch des Lukas, dass sie behaupten: Die Geister wissen mehr um Jesus als es die Menschen tun. Sie wissen, wer er ist – der Sohn Gottes. Aber es ist ein Wissen, auf dem keine Verheißung liegt. Es bringt kein Bekenntnis des Vertrauens zustande. Es ist kein Satz des Glaubens, der sich hingibt, der sich ausstreckt. Es ist eine kalte Wahrheit. Darum unterbindet Jesus auch, dass die Geister ihr Wissen weiter ausrufen.

42 Als es aber Tag wurde, ging er hinaus an eine einsame Stätte; und das Volk suchte ihn, und sie kamen zu ihm und wollten ihn festhalten, damit er nicht von ihnen ginge. 43 Er sprach aber zu ihnen: Ich muss auch den andern Städten das Evangelium predigen vom Reich Gottes; denn dazu bin ich gesandt. 44 Und er predigte in den Synagogen Judäas.

Das Ende des Tages in Kapernaum kommt – und Jesus sucht die Stille. Er sucht die Einsamkeit, wohl auch, weil er sie braucht, um sich selbst nicht zu verlieren, seinen Auftrag nicht zu verlieren. Er sucht die Einsamkeit, um sich dem gierigen Zugriff zu entziehen. Sie wollen ihn haben, exklusiv, als Privat-Heiler für Kapernaum. Er aber weiß, dass er mit einem anderen Auftrag unterwegs ist. Keine Heiler-Praxis in Kapernaum in Bestlage am See, sondern die Straßen und Dörfer und Synagogen Judäas sind seine Ort. „Das Evangelium vom Reich“ – dafür ist er da – und heilen und Dämonen austreiben ist nur ein Teil dieser Botschaft. Es sind noch viele, die er zu rufen hat – und sein Rufen reicht bis heute

 Jesus                                                                                                                                       Du richtest Menschen auf                                                                                                      Du stellst in die Freiheit                                                                                                        Du öffnest Perspektiven

Du sagst Dein Wort                                                                                                              das dem Bösen wehrt                                                                                                      Krankheiten vertreibt                                                                                                           Dämonen zum Schweigen bringt

Du sagst Dein Wort                                                                                                                das die Zukunft öffnet                                                                                                             uns den Vater vor Augen malt                                                                                               uns den Heimweg zeigt

Danke                                                                                                                                 dass Du Dich nicht am See niedergelassen hast                                                                    dass Du unterwegs geblieben bist                                                                                       ein Rufer                                                                                                                                    bis zu uns heute. Amen