Klarheit

Lukas 3, 15 – 20

 15 Als aber das Volk voll Erwartung war und alle dachten in ihren Herzen von Johannes, ob er vielleicht der Christus wäre, 16 antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. 17 In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.

 Wie groß die Wirkung des Johannes ist, zeigt sich an den Gedanken über ihn. Das Volk wird voller Erwartung. Es bleibt nicht auf seine Vergangenheit, auf die Buße fixiert, es nimmt eine neue Zukunft in Blick. Und Johannes soll sie bringen. Vielleicht ist er ja der Christus, der Erwartete? Als könnte Johannes in den Herzen lesen, antwortet er: Ich bin es nicht. Ich bin der Vorbereiter, der Vorläufer. Mehr nicht.

 Das wird ja schon deutlich an der Art der Taufen. Die Johannes-Taufe verdankt sich der Tradition. Sie ist Reinigungsbad. Aber die Taufe dessen, der kommen wird, ist eine Taufe zum Gericht – Durchgang durch den Tod, durch das Feuer. Er ist der Stärkere – hier klingt das uralte Gottes-Prädikat des „Starken Israels“ an. Gott selbst wird kommen – und es ist ja wahr: Vor ihm ist auch Johannes nicht würdig. Vor ihm ist niemand würdig „Weh mir, ich vergehe, denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk mit unreinen Lippen.“ (Jesaja 6, 5) Nicht einmal für den geringsten Dienst wird es reichen.

 Das zweite Bild kommt aus der Tradition Israels und zugleich aus der Alltagswelt der Hörer des Johannes und der Leser des Lukas: Erntezeit ist Zeit des Sichtens der Frucht. Die Ernte steht für das Gericht Da wird die Spreu vom Weizen getrennt. Das, woraus etwas geworden ist, wird bewahrt, das andere wird verworfen.

Der, den Johannes ankündigt, ist der Richter. Das ist sein Bild: Das Volk, die Welt ist reif zum Gericht. Und der wird in der Macht kommen, die ihn befähigt, das Gericht auch wirklich zu vollziehen. Es ist das Ende der Welt, das Johannes vor den Augen hat und es ist die große Scheidung, die er den vollziehen sieht, der da kommen wird. Und seine Predigt in der Zeit vor diesem Kommen kann deshalb nur Umkehr-Ruf sein, nur: Jetzt ist noch Zeit, aber die Ernte ist schon vor der Tür.

 18 Und mit vielem andern mehr ermahnte er das Volk und verkündigte ihm das Heil.

 Merkwürdig klingt diese Formulierung. W bitte ist das Heil, das Johannes verkündigt, möchte man fragen. Wir hören aus den Worten des Johannes ja kaum Heilsverkündigung, sondern eher Gerichtsdrohung. Aber die bloße Tatsache, dass er noch ermahnt, dass er noch tauft, dass er noch zur Umkehr ermutigt, sagt ja: Das Heil ist noch nicht verschlossen und verspielt. Es ist noch Raum zur Umkehr.

 19 Der Landesfürst Herodes aber, der von Johannes zurechtgewiesen wurde wegen der Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen alles Bösen, das er getan hatte, 20 fügte zu dem allen noch dies hinzu: er warf Johannes ins Gefängnis.

 Aber es braucht auch Menschen, die den Raum zur Umkehr suchen und nützen. Herodes scheint nicht dazu zu gehören. Er hält diesen Prediger nicht aus, der Unrecht Unrecht nennt und Böses böse. Er sperrt ihn weg, will ihn aus den Augen der Öffentlichkeit haben und seine Stimme zum Schweigen bringen. All dem Bösen seines Lebens setzt er nun die Krone auf. Johannes bezahlt schwer für seinen Mut, sich in die „Privatangelegenheiten“ des Königs einzumischen, sie öffentlich zu beurteilen.

Mein Gott                                                                                                                                   fremd steht Johannes da in seiner Zeit                                                                                  mit seinen Worten                                                                                                                   mit Deinem Wort                                                                                                                    Es ist ja Deine Botschaft                                                                                                          die er sagt                                                                                                                                 und die ihn fremd werden lässt                                                                                          befremden

Du hast ihn erwählt                                                                                                         berufen vom Mutterleib an für seine Aufgabe                                                                  anzukündigen den Größeren                                                                                                 Stärkeren                                                                                                                       Kommenden

Mehr sollte er nicht für Dich sein                                                                                            – nur der Vorläufer                                                                                                                  Ob er je mehr sein wollte?

Weil Johannes wusste                                                                                                       was sein Weg ist                                                                                                                      konnte er klar sein                                                                                                          widerständig                                                                                                                              stark

Schenke Du                                                                                                           Gott                                                                                                                                       mir die Klarheit für meinen Weg                                                                                           und die Stärke                                                                                                                         ihn dann auch zu gehen. Amen