Frauenbegegnung

Lukas 1, 39 – 45

 39 Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda 40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. 41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt 42 und rief laut und sprach: Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes! 43 Und wie geschieht mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44 Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. 45 Und selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn.

 Wie oft ist diese Begegnung in der Kunst dargestellt worden. Ich lese die Worte und habe Bilder vor Augen. Aber zugleich habe ich die Bilder aus meinem Umfeld vor Augen: Schwangere, die sich begegnen, meine Schwiegertochter vor Jahren, unsere Hannah. Es ist ein so hoffnungsvolles Bild, wenn sich Frau gegenüberstehen beieinander stehen, die guter Hoffnung sind, in gesegneten Umständen. Wie präzise unsere Sprache zum Ausdruck bringt, was ich empfinde – und was Elisabeth sagt: „Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes!“

 Es liegt Segen darauf, es liegt Hoffnung darauf, es liegt Zukunft darauf. Das könnte auch über eine Begegnung Schwangerer heute gesagt werden. Es ist gut, sich das vor Augen zu halten in einer Gesellschaft, die immer mehr von Alten dominiert wird und die immer mehr altert. Diese beiden schwangeren Frauen, die im höheren Lebensalter und das junge Mädchen stehen für die Hoffnung.

Was da im Haus oder vor dem Haus des Zacharias in den judäischen Bergen geschieht, gleicht aufs Haar ungezählten Alltagsbegegnungen. Und doch ist da mehr, was dem Auge eines Betrachters verborgen wäre, was aber schon in aller Verborgenheit Wirklichkeit zu werden beginnt. Die eine trägt den Vorläufer, den „zweiten Elia“, die andere den kommenden Herrn und Heiland unter dem Herzen. Und die eine gibt der anderen die Ehre. Und neidet ihr nichts. Beide ahnen wohl, dass sie Teil einer Geschichte sind, die größer ist als sie es sich je haben erträumen lassen – Maria und Elisabeth. Bis heute wird die Geschichte weiter erzählt. Bis heute höre ich die Worte und freue mich daran gepriesen ist die Frucht deines Leibes! Es ist ein Segen, der über jedem neuen Leben steht. Bis heute.

 Gott, Du gibst neues Leben. Du lässt neu Hoffnung wachsen, tief verborgen im Leib der Mutter. Wie achtlos gehen wir oft  an diesem Geheimnis  vorbei. Wie schnell tun wir so, als könnte man das alles im Griff haben.

Lehre mich neu zu staunen. Es ist ein Segen, dass es neues Leben gibt. Es ist ein Geschenk aus der Ewigkeit, dass neues Leben wird. Und lass es mich sehen: Jedes neue Leben ist Reichtum für die Welt, Träger Deiner Hoffnung, Zeichen Deiner Liebe. Amen