Das Ende – Christi Anfang

2. Petrus 3, 10 – 18

10 Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden. 11 Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, 12 die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden.

Auf den ersten Blick ist das nur Ende, Untergang, Katastrophe. `Petrus’ greift gemein-christliche Tradition auf, zumindest in seiner Wortwahl. Der „Dieb in in der Nacht“ ist nach den Evangelien eine Jesus-Formulierung. Und die Sache – das Ende der Welt – sprechen fast alle NT-Texte an.

Was mich beschäftigt: Sind das nur apokalyptische Vorstellungen? Oder ist so etwas wie der Untergang von Pompeji, der vermutlich damals über Jahrzehnte hin in aller Munde war und das Lebensgefühl sicherlich nicht nur in Rom bewegt hat, auch ein Impuls, über das Vergehen der Welt nachzudenken und sie nicht für unvergänglich zu halten?

Die Herausforderung ist schon deutlich zu greifen: Die Welt, die beständig ist, wird vergehen. Menschen, die vergänglich sind, werden bleiben. Normalerweise denken wir umgekehrt: „Eine Generation geht, eine andere kommt. Die Erde steht in Ewigkeit“. heißt es beim Prediger ( 1,4) Erst recht: Was ist das für ein Denken, das dem kommenden Tag Gottes entgegen-wartet, ja ihn ersehnt. Dein Reich komme! beten ist die eine Sache. Es real erwarten und erhoffen eine andere.

13 Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt. 14 Darum, meine Lieben, während ihr darauf wartet, seid bemüht, dass ihr vor ihm unbefleckt und untadelig im Frieden befunden werdet, 15 und die Geduld unseres Herrn erachtet für eure Rettung, wie auch unser lieber Bruder Paulus nach der Weisheit, die ihm gegeben ist, euch geschrieben hat. 16 Davon redet er in allen Briefen, in denen einige Dinge schwer zu verstehen sind, welche die Unwissenden und Leichtfertigen verdrehen, wie auch die andern Schriften, zu ihrer eigenen Verdammnis. 17 Ihr aber, meine Lieben, weil ihr das im Voraus wisst, so hütet euch, dass ihr nicht durch den Irrtum dieser ruchlosen Leute samt ihnen verführt werdet und fallt aus eurem festen Stand.

Es bleibt nicht bei dem Blick auf die Katastrophe. `Petrus’ sieht weiter. Es ist gefährlich für das eigene Lebensverständnis, wenn man nur das Ende anschaut. Darum ist das Wort vom neuen Himmel und der neuen Erde so wichtig. Das ist das Ziel der Reise Gottes mit der Welt. Er will sie neu schaffen, will sie verwandeln, will sie läutern. Eine Welt, die Gottes Wesen entspricht, in der Gerechtigkeit wohnt. Die neue Welt wird sein, was Gottes Wille von Anfang an war: Seine Welt.

Aus dieser Hoffnung erwächst eine Lebensaufgabe. Die Hoffnung auf die neue Welt Gottes macht nicht träge in der alten, in unserer Welt. Sie lässt vorweg nehmen, was wir hoffen, so gut wir es vermögen. Es ist ein Ansatz der paulinischen Ethik, dass Paulus aus der Erwartung der kommenden Herrschaft Gottes die Verhaltensweisen für heute ableitet. Da hat ihn `Petrus’ ganz richtig verstanden.

Es bleibt bis heute so: Das Warten auf den neuen Himmel und die neue Erde können nicht passiv machen. „Gaff nicht hinauf. Es ist schon hier“ hat Luther gesagt. Das ist unsere Aufgabe: Heute schon so zu tun, als sei die Welt Gottes angebrochen – und sie ist es ja auch in Jesus.

18 Wachset aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. Ihm sei Ehre jetzt und für ewige Zeiten! Amen.

Das ist mein Konfirmationsspruch. Es bewegt mich heute, über 50 Jahre später, dass ich dieses Wort auf meinen Lebensweg bekommen habe. Es hat mir lange nichts gesagt. Heute empfinde ich anders – und staune und frage: Was hat Pfr. Berg damals in dem Buben Uli gesehen, dass er ihm dieses Wort auf den Weg gegeben hat?

Es ist eine Einladung, eine Verheißung. Lass dir die Gnade Jesu gefallen, die dir neue Anfänge schenkt, die dich tröstet im Verzagen, die dich festhält, wenn du schwach bist. Und lerne ihn mehr und mehr kennen. Am Ende geht es darum immer mehr abhängig zu werden von Jesus und sich das als Glück des Lebens gefallen zu lassen, mehr in ein Vertrauen zu wachsen, das sich schicken kann in seine Wege und nur das eine will, bei ihm bleiben, dem Heiland, dem Herren voller Gnade und Erbarmen.

Das Ende                                                                                                                     mein Jesus                                                                                                                ist nicht das Ende                                                                                                         Das Ende ist Dein neuer Anfang mit mir                                                                     mit den Meinen                                                                                                             mit Deiner Welt.

Das Ende ist bei Dir und am Ende sind wir noch immer bei Dir                                         Geborgen                                                                                                               Aufgehoben                                                                                                                Gerettet                                                                                                                    Wir und Deine Welt.

Lass mich aus dem Vertrauen auf Dich und Deinen neuen Anfang                                    allem tödlichen Ende in der Welt das Recht bestreiten                                                     Das Leben wird siegen                                                                                                  weil Du das Leben bist. Amen