Kränkungen

2. Korinther 12, 11 – 18

11 Ich bin ein Narr geworden! Dazu habt ihr mich gezwungen. Denn ich sollte von euch gelobt werden, da ich doch nicht weniger bin als die Überapostel, obwohl ich nichts bin. 12 Denn es sind ja die Zeichen eines Apostels unter euch geschehen in aller Geduld, mit Zeichen und mit Wundern und mit Taten.

Mit dem Vergleichen ist es fast immer eine missliche Sache. So auch hier. Paulus ist der Gemeinde-Gründer in Korinth, nicht die Leute, die jetzt als Super-Apostel“ auftreten. Daran erinnert er mit einer merkwürdigen Mischung aus Bescheidenheit – „ich bin nichts“ – und Selbstbewusstsein. Die Korinther werden wissen, was mit dem Hinweis auf Zeichen, Wunder und Taten gemeint ist. Ganz so unscheinbar war der Auftritt des Apostels in Korinth also doch nicht.

13 Was ist’s, worin ihr zu kurz gekommen seid gegenüber den andern Gemeinden, außer dass ich euch nicht zur Last gefallen bin? Vergebt mir dieses Unrecht! 14 Siehe, ich bin jetzt bereit, zum dritten Mal zu euch zu kommen, und will euch nicht zur Last fallen; denn ich suche nicht das Eure, sondern euch. Denn es sollen nicht die Kinder den Eltern Schätze sammeln, sondern die Eltern den Kindern. 15 Ich aber will gern hingeben und hingegeben werden für eure Seelen. Wenn ich euch mehr liebe, soll ich darum weniger geliebt werden? 16 Nun gut, ich bin euch nicht zur Last gefallen. Aber bin ich etwa heimtückisch und habe euch mit Hinterlist gefangen? 17 Habe ich euch etwa übervorteilt durch einen von denen, die ich zu euch gesandt habe?

Die tiefe Verunsicherung bei Paulus ist mit Händen zu greifen. Er schlägt sich mit vermuteten Vorwürfen herum, fragt nach vermeintlichen Verdächtigungen und Verdächten. Er sucht nach Gründen für das Verhalten der Korinther ihm gegenüber – und sucht auf beiden Seiten. Er fragt nach dem eigenen Verhalten und möglichen eigenen Fehlern.

Es ist gut zu sehen, dass die ganze Situation Paulus unter die Haut geht und ihn nicht gleichgültig sein lässt., Er wird davon in Frage gestellt und stellt sich auch selbst fragen. Hat er die Korinther gekränkt mit seinem Konzept absoluter Unabhängigkeit? War seine Zurückweisung von Unterstützung für die, die angeboten hatten, eine tief gehende Kränkung, weil sie darin Misstrauen gespürt haben? Hätte es den Korinthern geholfen, wenn der, der ihn das Geschenk Gottes in Christus predigt, sich selbst auch etwas von ihnen schenken lässt? Hat Paulus es also an Augenhöhe fehlen lassen?

Fragen über Fragen und es macht den Apostel ein Stück menschlich, dass diese Fragen bei ihm zu spüren sind. Er ist nicht unverwundbar. Er ist auch selbst nicht frei von Kränkungen, von Eifersucht und von der Frage: Wen habe ich irgendwie falsch und verletzend behandelt?

18 Ich habe Titus zugeredet und den Bruder mit ihm gesandt. Hat euch etwa Titus übervorteilt? Haben wir nicht beide in demselben Geist gehandelt? Sind wir nicht in denselben Fußtapfen gegangen?

Auch seinen Freund und Bruder Titus zieht er mit in sein Fragen ein. Denn er weiß: wir sind eins und werden auch von außen als Einheit gesehen. Was Titus getan hat, kommt mir zu gute oder wird mit zur Last gelegt. Darum kann und will Paulus sich nicht von Titus und dem anderen Bruder (wer ist das?) distanzieren.

Herr Jesus                                                                                                                mache mich frei von dem Vergleichen mit anderen                                              von dem sein Wollen wie sie                                                                                 auch von dem auf jeden Fall anders sein wollen

Mache mich frei von der Abhängigkeit von den Urteilen anderer

Das sagt sich ja leichter als es sich lebt                                                                   Denkt doch über mich                                                                                               was ihr wollt                                                                                                          Mache mich frei von den Fragen und Anklagen des eigenen Herzens

Lass mich gewiss sein                                                                                           Du sprichst mich frei. Amen