Es geht nicht ohne Konflikte

2. Korinther 10, 1 – 11

1 Ich selbst aber, Paulus, ermahne euch bei der Sanftmut und Güte Christi, der ich in eurer Gegenwart unterwürfig sein soll, aber mutig, wenn ich fern von euch bin. 2 Ich bitte aber, dass ihr mich nicht zwingt, wenn ich bei euch bin, mutig zu sein und die Kühnheit zu gebrauchen, mit der ich gegen einige vorzugehen gedenke, die unsern Wandel für fleischlich halten.

Paulus setzt sich mit Vorwürfen auseinander und entzieht sich ihnen nicht. Er nimmt sie auf, aber er beugt sich nicht unter sie. Sein Maß in der Auseinandersetzung gewinnt er an Christus – seiner Güte und seiner Sanftmut. Man kann nicht auf den Tisch hauen in der Nachfolge dessen, der von sich selbst sagt: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“ und der über seine Leute sagt: „Selig sind die Friedfertigen“. Es wäre gegen die innerste Überzeugung des Paulus, wenn er Macht als Argument einsetzen müsste.

3 Denn obwohl wir im Fleisch leben, kämpfen wir doch nicht auf fleischliche Weise. 4 Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören. 5 Wir zerstören damit Gedanken und alles Hohe, das sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und nehmen gefangen alles Denken in den Gehorsam gegen Christus. 6 So sind wir bereit, zu strafen allen Ungehorsam, sobald euer Gehorsam vollkommen geworden ist.

Auseinandersetzungen müssen sein. Der Kampf um die Wahrheit und Wahrhaftigkeit muss sein. Aber er darf nicht nach den Maßstäben geführt werden: Der Stärkere gewinnt. Es geht immer um die Frage nach dem Willen Gottes, um die Ausrichtung an seinem Wort, um den Gehorsam gegen Christus – und das heißt auch: um das Maß Christi in der Art des Umgangs miteinander.

7 Seht, was vor Augen liegt! Verlässt sich jemand darauf, dass er Christus angehört, der bedenke wiederum auch dies bei sich, dass, wie er Christus angehört, so auch wir! 8 Auch wenn ich mich noch mehr der Vollmacht rühmen würde, die uns der Herr gegeben hat, euch zu erbauen und nicht euch zu zerstören, so würde ich nicht zuschanden werden.

Das gehört zu den Überzeugungen des Paulus: Ich bin wer. Ich könnte mich auf das berufen, was ich bin, auch was ich von Gott, von Christus her bin. Ich würde nicht schwindeln und nicht hoch-stapeln, wenn ich mich darauf berufe. Aber es trägt nichts aus.

9 Das sage ich aber, damit es nicht scheint, als hätte ich euch mit den Briefen schrecken wollen. 10 Denn seine Briefe, sagen sie, wiegen schwer und sind stark; aber wenn er selbst anwesend ist, ist er schwach und seine Rede kläglich. 11 Wer so redet, der bedenke: wie wir aus der Ferne in den Worten unsrer Briefe sind, so werden wir, wenn wir anwesend sind, auch mit der Tat sein.

So reden sie in Korinth von Paulus: Ja, solange er schreiben kann, da ist er groß und gewaltig. Aber so – von Angesicht zu Angesicht – da verliert er doch deutlich an Wirkung. Da bleibt nicht viel an Eindruck. Ein bisschen ist Paulus wie der Scheinriese Turtur in den Geschichten von Jim Knopf: Wenn Sie diesen Scheinriesen kennen, dann wissen Sie: Wenn man weit weg ist von ihm, dann ist er riesengroß. Aber je näher man ihm kommt, umso kleiner wird er!

Das gibt es ja in unserer Alltagserfahrung auch: Da ist jemand unglaublich berühmt, gilt als wahnsinnig klug, alle reden von ihm. Aber wenn man ihn oder sie näher kennen lernt, dann sagt man womöglich: Der kocht auch nur mit Wasser. Große Leute verehren sich leichter auf Abstand – aus der Nähe sieht man auch die kleinen Schwächen. Vielleicht ist das ja der Grund, weshalb mancher keinen nahe an sich heran lässt.

Gib mir die richtigen Worte                                                                                          Herr Jesus                                                                                                                   wenn ich schreibe und wenn ich rede                                                                           im Zustimmen und im Streiten

Gib mir                                                                                                                     dass ich mich nicht klein mache                                                                                   wenn Konflikte zu lösen sind                                                                                      und nicht hoch daher fahre                                                                                          wenn es um nichts geht

Verleihe es mir                                                                                                             dass ich mit meinen Worten dem Leben und dem Glauben diene. Amen