Nur der ganze Gott

Jesaja 59, 1 – 15a

1 Siehe, des HERRN Arm ist nicht zu kurz, dass er nicht helfen könnte, und seine Ohren sind nicht hart geworden, sodass er nicht hören könnte, 2 sondern eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, dass ihr nicht gehört werdet.

Versperrt Gott uns den Zugang zu sich? Wie oft höre ich diese Frage. Gott entzieht sich. Gott ist Taub. Gott ist zu weit weg. In diesen Worten Jesajas wird ein anderer Blick deutlich: wir selbst versperren uns den Zugang. Wir selbst sind es, die Hindernisse aufrichten. Es ist die zutiefst menschliche Erfahrung: Dem, dem ich etwas schuldig geblieben bin, dem gegenüber ich irgendwie mich vergriffen habe, den ich vernachlässigt habe – zu dem finden ich keinen Zugang mehr. Ich gehe ihm aus dem Weg, weil diese Geschichte zwischen mir und ihm steht. Das liegt nicht an ihm, das liegt an mir. So ist es eben auch im Verhältnis zu Gott. Versäumnisse, Schuld, Sünden machen ihn für uns unzugänglich, weil wir uns fürchten vor den Fragen, vor den Blicken, vor dem Auge Gottes.

3 Denn eure Hände sind mit Blut befleckt und eure Finger mit Verschuldung; eure Lippen reden Falsches, eure Zunge spricht Bosheit. 4 Es ist niemand, der eine gerechte Sache vorbringt, und niemand, der redlich richtet. Man vertraut auf Nichtiges und redet Trug; mit Unheil sind sie schwanger und gebären Verderben. 5 Sie brüten Natterneier und weben Spinnweben. Isst man von ihren Eiern, so muss man sterben, zertritt man sie aber, so fährt eine Schlange heraus. 6 Ihre Gewebe taugen nicht zu Kleidern, und ihr Gespinst taugt nicht zur Decke. Ihre Werke sind Unheilswerke, an ihren Händen ist Frevel. 7 Ihre Füße laufen zum Bösen, und sie sind schnell dabei, unschuldig Blut zu vergießen. Ihre Gedanken sind Unheilsgedanken, auf ihren Wegen wohnt Verderben und Schaden. 8 Sie kennen den Weg des Friedens nicht, und Unrecht ist auf ihren Pfaden. Sie gehen auf krummen Wegen; wer auf ihnen geht, der hat keinen Frieden.

Jetzt wird aufgezählt, was es da an Verschuldungen, Verfehlungen, Versäumnissen gibt. Aber es geht noch eine Etage tiefer. Die Anklagen bringen nicht nur die einzelnen Taten zur Sprache. Sie zeigen Wesensarten auf. Es ist eine Analyse menschlichen Fehlverhaltens, das mehr an den Wurzeln als an den Früchten orientiert ist. Falschheit, Unheilsgedanken, Bosheit – die Reihe lässt sich beliebig erweitern. Wenn es gesellschaftlich nach oben geht, geht es moralisch oft bergab. Lug und Trug, Rechtsbeugung und Gewalt sind an der Tagesordnung, getarnt hinter glatten Fassaden. Es hat etwas Bedrohliches, was da alles benannt wird. Es ist wie ein großes Netz, in dem man sich verfängt und an dem man mit knüpft. „Nur der ganze Gott“ weiterlesen

Mehr als Fasten

Jesaja 58, 1- 14

1 Rufe getrost, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! 2 Sie suchen mich täglich und begehren meine Wege zu wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie begehren, dass Gott sich nahe. 3 »Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?«

Fasten ist eine religiöse Übung. Kultische Enthaltsamkeit zur Selbstreinigung. Wer hat etwas davon? Gott? Der Fastende? In der Tradition ist Fasten immer ein Weg, um sich für Gott zu bereiten, um ihm nahe kommen zu können. Dahinter steht die Einsicht: wir sind beschmutzt vom Alltag der Welt, von der Wirklichkeit des Lebens. Wir sind angefüllt und festgehalten von Dingen, Erfahrungen Gedanken. Es braucht die Leere, damit Gott zu uns kommen, sprechen, uns berühren kann. Wer volle Hände hat, kann nicht empfangen.

Aber: Das funktioniert nicht immer. Es läuft oft genug ins Leere. Der Gewinn, den das Fasten bringen soll, bleibt aus. Die Gotteserfahrung bleibt leer. Warum entzieht sich Gott?

Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. 4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. 5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat?

Jesaja legt den Finger auf die Wunde. In eurem Fasten sucht ihr euch selbst. Gott braucht nicht, dass ihr fastet, euch selbst quält, euren Körper schindet, die guten Gaben der Schöpfung verschmäht. Wer sich selbst so quält, der wird auch andere kasteien und quälen. Wer sich selbst so schindet, der ist oft genug in Gefahr, auch ein Leute-Schinder zu werden.

6 Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 7 Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

Es geht nicht um religiöse Übungen für ein ganzes Volk. Jesaja spricht nicht die möglichen Teilnehmer von Einkehrtagen an, sondern das Volk Israel. Es geht um Gerechtigkeit, um soziale Verantwortung. Den Hungrigen Brot geben, den Elenden ein Dach, denen ohne Ort eine Bleibe. Das ist ein Programm für das Volk und nicht ein Aufruf zu individueller Barmherzigkeit und zu mehr Almosen.

Wer sich das vor Augen hält: was ich habe, das habe ich empfangen, der kann und darf die Augen nicht mehr zumachen vor der Not um ihn herum. Wer sich bei Gott bedanken lernt, der wird nicht anders können als dann auch teilen zu lernen mit denen, deren Mangel und Not manchmal zum Himmel schreit. Wer Gott anfängt zu danken, der muss auch anfangen zu helfen, die Not um sich herum zu lindern – ob es auf dem Weg eigener Hilfe ist oder im Ringen um gerechtere Verhältnisse. „Mehr als Fasten“ weiterlesen

Gott kommt nahe

Jesaja 57, 14 – 21

14 Und er spricht: Machet Bahn, machet Bahn! Bereitet den Weg, räumt die Anstöße aus dem Weg meines Volks!

Diese Sätze sind so vertraut. Macht Bahn! Es ist sofort im Ohr: Bereitet dem Herrn den Weg. Aber hier geht es um freie Bahn für das Volk und nicht um freie Bahn für Gott. Israel soll der weg freigeräumt werden, der vorher versperrt war. Israel soll nicht mehr ins Stolpern kommen.

15 Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.

Denn – damit schließt der folgende Satz nach vorne an. Es scheint so, dass jetzt gesagt wi9rd, was das Stolpern Israels beenden kann. Gott ist der Erhabene, der Heilige, der in der Höhe wohnt, dem man sich nicht ohne weiteres nahen kann. Zugleich ist er der, der sich nach unten neigt, der sich erbarmt, der aufrichtet und zurecht bringt. Aus dem unnahbaren Gott ist nicht ein nahbarer geworden, sondern ein naher. Die Nähe Gottes geht auf seine Bewegung zurück und und nicht auf meine, unsere. Gott ist nahe, ob ich es merke und glaube oder nicht.

Diese beiden „Wohnorte Gottes“ – oben und unten – zusammen zu bringen, das war wohl zu allen Zeiten etwas, was Menschen in Denkschwierigkeiten gestürzt hat und was sie auch lebensmäßig nicht auf die Reihe gekriegt haben. Der hohe und erhabene Gott, der allmächtige ist unser Bild, oft genug gesucht und auch hergenommen, um die Welt stabil zu halten, oben und unten in der Gesellschaft zu begründen und zu zementieren. Wenn dieser hohe Gott sich nach unten neigt, zu den Gedemütigten, Geschlagenen, Verzagten, dann gerät das Weltbild durcheinander. „Gott kommt nahe“ weiterlesen

Wer auf Gott vertraut

Jesaja 56, 9 – 57, 13

9 Ihr Tiere alle auf dem Felde, kommt und fresst, ihr Tiere alle im Walde! 10 Alle ihre Wächter sind blind, sie wissen alle nichts. Stumme Hunde sind sie, die nicht bellen können, sie liegen und jappen und schlafen gerne. 11 Aber es sind gierige Hunde, die nie satt werden können. Das sind die Hirten, die keinen Verstand haben; ein jeder sieht auf seinen Weg, alle sind auf ihren Gewinn aus und sagen: 12 Kommt her, ich will Wein holen, wir wollen uns vollsaufen, und es soll morgen sein wie heute und noch viel herrlicher!

Priesterkritik. Kritik an den Führern des Volkes. Das ist nicht die Offenheit, die Gott will und die er für sein Bethaus proklamiert. Hier wird das Volk Gottes schutzlos, weil die, die es schützen sollen, nur sich selbst kennen. Sie sind untauglich wie ein Hund, den man zum Jagen tragen muss. Hirten ohne Sinn und Verstand, Hirten ohne Zucht und Moral. Hirten, die keine Verantwortung kennen, sondern nur noch sich selbst. „Ein jeder sieht auf seinen Weg“ Was hier von den Hirten gesagt wird, das ist im Gottesknecht-Lied ( 53, 6) die Klage über das ganze Volk: weil die Hirten versagen, verlaufen sich die Schafe.

1 Der Gerechte ist umgekommen und niemand ist da, der es zu Herzen nimmt, und fromme Leute sind hingerafft und niemand achtet darauf. Ja, der Gerechte ist weggerafft durch die Bosheit 2 und geht zum Frieden ein. Es ruhen auf ihren Lagern, die recht gewandelt sind.

Die Folge ist der Tod. Unbeachtet und unbeklagt. Einfach umgekommen. So sieht es vor den Augen der Welt aus. Die Frommen kommen unter die Räder und die Bösen sind obenauf. Es ist wie ein sehr leiser Protest, dass Jesaja sagt: Aber die, die so unbemerkt davon gehen, ruhen im Frieden. Sie sind aufgehoben im Shalom Gottes, auch wenn sie hier nie um Frieden leben konnten. „Wer auf Gott vertraut“ weiterlesen

Einladend weit – weit einladend

Jesaja 56, 1 – 8

1 So spricht der HERR: Wahrt das Recht und übt Gerechtigkeit; denn mein Heil ist nahe, dass es komme, und meine Gerechtigkeit, dass sie offenbart werde. 2 Wohl dem Menschen, der dies tut, und dem Menschenkind, das daran festhält, das den Sabbat hält und nicht entheiligt und seine Hand hütet, nichts Arges zu tun!

Das sind Grundlagen für das Gedeihen des Volkes: Recht und Gerechtigkeit. Beides aber wird begründet oder abgeleitet aus Gott: Weil sein Heil kommt, weil seine Gerechtigkeit offenbar werden will, deshalb soll sein Volk dem entsprechen. Und wer das als Glied des Volkes, als einzelner, ob Mann oder Frau tut, wer so lebt, der fördert das Leben. Und ein Zeichen für das Leben in der kommenden Gerechtigkeit Gottes ist das Halten des Sabbat. Der Sabbat als Identitätsmerkmal ist in in der Verbannung immer wichtiger geworden. Sehr offen formuliert ist: wer seine Hand hütet, nichts Arges zu tun! Klar aber ist: hier findet eine Einweisung in einen Lebensstil statt, der dem Glauben an den Gott Israels entspricht und der darum Zukunft hat.

3 Und der Fremde, der sich dem HERRN zugewandt hat, soll nicht sagen: Der HERR wird mich getrennt halten von seinem Volk. Und der Verschnittene soll nicht sagen: Siehe, ich bin ein dürrer Baum. 4 Denn so spricht der HERR: Den Verschnittenen, die meine Sabbate halten und erwählen, was mir wohlgefällt, und an meinem Bund festhalten, 5 denen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben; das ist besser als Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll. 6 Und die Fremden, die sich dem HERRN zugewandt haben, ihm zu dienen und seinen Namen zu lieben, damit sie seine Knechte seien, alle, die den Sabbat halten, dass sie ihn nicht entheiligen, und die an meinem Bund festhalten, 7 die will ich zu meinem heiligen Berge bringen und will sie erfreuen in meinem Bethaus und ihre Brandopfer und Schlachtopfer sollen mir wohlgefällig sein auf meinem Altar; denn mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker. 8 Gott der HERR, der die Versprengten Israels sammelt, spricht: Ich will noch mehr zu der Zahl derer, die versammelt sind, sammeln.

Provozierend gefragt: Hat Gott dazu gelernt? Oder anders: Muss Israel dazu lernen? Soviel scheint mir klar: Der Heilswille Gottes macht nicht mehr an den natürlichen Grenzen halt, Die alten Ausschlussformeln für das Volk Gottes gelten nicht mehr. Bis dahin waren Krüppel und Fremde zwar schutzwürdig, aber nicht heilsfähig. Sie durften mit dem Volk leben, aber sie gehörten nicht in seine Mitte und waren ausgeschlossen aus seiner Mitte, aus dem Tempel.

In welche Debatte hinein werden diese Worte gesprochen? Es wird in Israel Stimme gegeben haben, die jetzt, nach dem Exil, das reine Israel fordern. Keine Gemeinschaft mit den Fremden. Kein Zutritt für Verschnittene zum Tempel – obwohl der doch noch gar nicht wieder aufgebaut war. Esra ist so eine Stimme in seinem Streit gegen die Mischehen (Esra 9-10). „Einladend weit – weit einladend“ weiterlesen

Das Ende – Christi Anfang

2. Petrus 3, 10 – 18

10 Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden. 11 Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, 12 die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden.

Auf den ersten Blick ist das nur Ende, Untergang, Katastrophe. `Petrus‘ greift gemein-christliche Tradition auf, zumindest in seiner Wortwahl. Der „Dieb in in der Nacht“ ist nach den Evangelien eine Jesus-Formulierung. Und die Sache – das Ende der Welt – sprechen fast alle NT-Texte an.

Was mich beschäftigt: Sind das nur apokalyptische Vorstellungen? Oder ist so etwas wie der Untergang von Pompeji, der vermutlich damals über Jahrzehnte hin in aller Munde war und das Lebensgefühl sicherlich nicht nur in Rom bewegt hat, auch ein Impuls, über das Vergehen der Welt nachzudenken und sie nicht für unvergänglich zu halten?

Die Herausforderung ist schon deutlich zu greifen: Die Welt, die beständig ist, wird vergehen. Menschen, die vergänglich sind, werden bleiben. Normalerweise denken wir umgekehrt: „Eine Generation geht, eine andere kommt. Die Erde steht in Ewigkeit“. heißt es beim Prediger ( 1,4) Erst recht: Was ist das für ein Denken, das dem kommenden Tag Gottes entgegen-wartet, ja ihn ersehnt. Dein Reich komme! beten ist die eine Sache. Es real erwarten und erhoffen eine andere. „Das Ende – Christi Anfang“ weiterlesen

Ich glaube an den wartenden Gott

2. Petrus 3, 1 – 9

1 Dies ist nun der zweite Brief, den ich euch schreibe, ihr Lieben, in welchem ich euren lauteren Sinn erwecke und euch erinnere, 2 dass ihr gedenkt an die Worte, die zuvor gesagt sind von den heiligen Propheten, und an das Gebot des Herrn und Heilands, das verkündet ist durch eure Apostel.

Die Stärkung des Glaubens hat es oft damit zu tun, dass wir erinnert werden. Erinnert an die Wege, die Gott mit uns gegangen ist, an die Worte, denen wir einmal Vertrauen geschenkt haben, an die Gebote, die uns den Weg des Lebens finden helfen, an die Menschen, die uns das Evangelium nahe gebracht haben. Erinnerung hilft dem schwachen Gedächtnis auf und macht widerstandsfähig gegenüber dem Heute, das so leicht alle früheren Erfahrungen und Entscheidungen für vergangen erklären will und zugleich die Zukunft als noch nicht zu verschlingen droht.

3 Ihr sollt vor allem wissen, dass in den letzten Tagen Spötter kommen werden, die ihren Spott treiben, ihren eigenen Begierden nachgehen 4 und sagen: Wo bleibt die Verheißung seines Kommens? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist. 5 Denn sie wollen nichts davon wissen, dass der Himmel vorzeiten auch war, dazu die Erde, die aus Wasser und durch Wasser Bestand hatte durch Gottes Wort; 6 dennoch wurde damals die Welt dadurch in der Sintflut vernichtet. 7 So werden auch der Himmel, der jetzt ist, und die Erde durch dasselbe Wort aufgespart für das Feuer, bewahrt für den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen.

Es gibt Leute, die haben kein gutes Wort für die, die über den Tag hinaus denken – in die Vergangenheit und in die Zukunft hinein. Man kann sich leicht lustig machen über die Vergangenheits-Bewältiger und die Zukunfts-Träumer. Die Logik: „Heute zählt“ ist kaum zu schlagen. Es klingt so vernünftig: Was kommen wird, wer weiß es schon. Und: Wo bleibt denn der kommende Himmel? Wo bleibt der wiederkommende Christus? Das sind vermutlich Stimmen aus der Mitte der Gemeinde. Die außerhalb er Gemeinde haben sich damit nicht aufgehalten. Aber die in der Gemeinde werden so gefragt haben – ängstlich manche, spöttisch andere. „Ich glaube an den wartenden Gott“ weiterlesen

Enttäuschter Schmerz

2. Petrus 2, 1 – 22

1 Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch sein werden falsche Lehrer, die verderbliche Irrlehren einführen und verleugnen den Herrn, der sie erkauft hat; die werden über sich selbst herbeiführen ein schnelles Verderben. 2 Und viele werden ihnen folgen in ihren Ausschweifungen; um ihretwillen wird der Weg der Wahrheit verlästert werden. 3 Und aus Habsucht werden sie euch mit erdichteten Worten zu gewinnen suchen. Das Gericht über sie bereitet sich seit langem vor, und ihr Verderben schläft nicht.

Hier hat die Sorge das Wort und ein bisschen auch die Erfahrung. Zu allen Zeiten gibt es falsche Propheten, gibt es Täuscher und Schönredner. Davor ist die Gemeinde Christi nicht automatisch bewahrt. Aber es ist doch auch schwierig mit diesen Worten. Will `Petrus‘ warnen?Dann ist das nicht wirklich der richtige Weg, weil es so unausweichlich, fast schicksalhaft klingt. Es müssen ja falsche Lehrer kommen – aber warum das sein muss, dazu sagt er nichts. Dahinter scheint mir das Bild von der Bewährung und der großen Scheidung zu stehen. Damit sich zeigt, wer es ernst meint, muss es zu diesen Auftritten der Verführer kommen. So ähnlich sieht es auch Paulus, wenn er von den notwendigen Spaltungen redet (1. Korinther 11, 19)

4 Denn Gott hat selbst die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont, sondern hat sie mit Ketten der Finsternis in die Hölle gestoßen und übergeben, damit sie für das Gericht festgehalten werden; 5 und hat die frühere Welt nicht verschont, sondern bewahrte allein Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, mit sieben andern, als er die Sintflut über die Welt der Gottlosen brachte; 6 und hat die Städte Sodom und Gomorrha zu Schutt und Asche gemacht und zum Untergang verurteilt und damit ein Beispiel gesetzt den Gottlosen, die hernach kommen würden; 7 und hat den gerechten Lot errettet, dem die schändlichen Leute viel Leid antaten mit ihrem ausschweifenden Leben.

Das ist ein merkwürdig einseitiger Griff in die Geschichte Gottes mit der Welt: Sintflut und der Untergang von Sodom und Gomorrha. Es gibt auch andere Geschichten, die von der Lust Gottes erzählen, Leben zu schenken, auch den Gottlosen. Mir scheint, dass diese Auswahl mehr über die Untergangs-Phantasien des `Petrus‘ erzählt als über den wechselvollen Weg Gottes mit seinem Volk. „Enttäuschter Schmerz“ weiterlesen

Der helle Morgenstern in unseren Herzen

2. Petrus 1, 12 – 21

12 Darum will ich’s nicht lassen, euch allezeit daran zu erinnern, obwohl ihr’s wisst und gestärkt seid in der Wahrheit, die unter euch ist. 13 Ich halte es aber für richtig, solange ich in dieser Hütte bin, euch zu erwecken und zu erinnern; 14 denn ich weiß, dass ich meine Hütte bald verlassen muss, wie es mir auch unser Herr Jesus Christus eröffnet hat. 15 Ich will mich aber bemühen, dass ihr dies allezeit auch nach meinem Hinscheiden im Gedächtnis behalten könnt.

Was bleibt noch zu sagen, wenn die Tage abkürzen? Was möchte ich noch gerne sagen, wenn das große, weiße Tor schon in Sichtweite ist? `Petrus‘ spürt, dass der Weg seines Lebens sich dem Ende zuneigt. Und darum will er wesentlich werden – und das heißt: Er will erinnern an die Fundamente des Lebens und des Glaubens. Das, was trägt, das, worauf man sich verlassen kann – das war sein Thema und soll es auch bis zum Ende hin bleiben. Gut, dass das nicht wehmütig klingt, sondern nüchtern. „Der helle Morgenstern in unseren Herzen“ weiterlesen

Alles geschenkt

2. Petrus 1, 1 – 11

1 Simon Petrus, ein Knecht und Apostel Jesu Christi, an alle, die mit uns denselben teuren Glauben empfangen haben durch die Gerechtigkeit, die unser Gott gibt und der Heiland Jesus Christus: 2 Gott gebe euch viel Gnade und Frieden durch die Erkenntnis Gottes und Jesu, unseres Herrn!

Das ist der Anfang – die Erinnerung an die gemeinsame Basis. Wir sind – ob hoher Apostel oder einfaches Gemeindeglied – miteinander im gleichen Glauben verbunden. Es ist ein kostbarer Glaube, ein Geschenk, das wir nicht aus uns selbst haben. Und das Wissen um diesen Geschenk-Charakter des Glaubens lässt darauf hoffen: Gott wird immer neu geben. Alles, was Gott gibt, gibt er durch die Erkenntnis Jesu. In ihm empfangen wir Christen den Reichtum Gottes, Gnade und Frieden.

3 Alles, was zum Leben und zur Frömmigkeit dient, hat uns seine göttliche Kraft geschenkt durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Kraft. 4 Durch sie sind uns die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt, damit ihr dadurch Anteil bekommt an der göttlichen Natur, die ihr entronnen seid der verderblichen Begierde in der Welt. 5 So wendet alle Mühe daran und erweist in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis 6 und in der Erkenntnis Mäßigkeit und in der Mäßigkeit Geduld und in der Geduld Frömmigkeit 7 und in der Frömmigkeit brüderliche Liebe und in der brüderlichen Liebe die Liebe zu allen Menschen.

„geschenkt“ ist das eine Hauptwort, „Erkenntnis“ das andere. Wer auf Jesus sieht, der sieht, was Gott gibt: Güte und Freundlichkeit, die Erfüllung seiner Verheißungen, alles, was wir zum leben nötig haben. Es kommt uns zu, wird uns gegeben. Christus erkennen, in ihm die Gegenwart Gottes erfahren, durch ihn mit Gott verbunden werden für Zeit und Ewigkeit – das ist die große Gabe Gottes. „Alles geschenkt“ weiterlesen